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Saar-LB am Scheideweg

Saarbrücken/München. Zeichnete sich vor Wochen eine neue Eigentümerstruktur für die Landesbank Saar (Saar-LB) deutlich ab, ist nun die Unsicherheit wieder gewachsen. Auslöser ist ein Bericht der "Süddeutschen Zeitung", der erneut Spekulationen über einen vollständigen Ausstieg der Bayern-LB nährt Von SZ-Redakteur Volker Meyer zu Tittingdorf

Saarbrücken/München. Zeichnete sich vor Wochen eine neue Eigentümerstruktur für die Landesbank Saar (Saar-LB) deutlich ab, ist nun die Unsicherheit wieder gewachsen. Auslöser ist ein Bericht der "Süddeutschen Zeitung", der erneut Spekulationen über einen vollständigen Ausstieg der Bayern-LB nährt. Die Zeitung beruft sich auf ein Gutachten der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman zum Sanierungsplan der Bayern-LB. Demnach soll die schwer angeschlagene bayerische Landesbank, der 75,1 Prozent der Saar-LB gehören, fast alle Tochterinstitute abstoßen und so den Geschäftsumfang von 485 auf 271 Milliarden Euro fast halbieren. Auf der Verkaufsliste stehe auch die Saar-LB. Doch warnten die Gutachter davor, dass sich die Bayern-LB vorschnell von ihren Töchtern trenne. Erst 2013 oder 2014 ließen sich annehmbare Preise erzielen.Ende März hatte die Bayern-LB dagegen bei der Vorstellung der Leitlinien für eine Sanierung erklärt, die Anteile an der Saar-LB nicht komplett abstoßen zu wollen. Darauf gründet auch das aktuelle Konzept der Landesregierung, das weiter mit der Bayern-LB als Partner rechnet, auch wenn das Land seine Anteile (zehn Prozent) um 25,2 Prozent aufstocken und zusammen mit dem Sparkassenverband Saar (14,9 Prozent) die Mehrheit übernehmen will. Weder das saarländische Finanzministerium noch die Bayern-LB wollten am Freitag Einzelheiten des Zeitungsberichts kommentieren. Einhellig hieß es nur: "Die Eigentümer sind in konstruktiven Gesprächen." Zudem ließ man durchblicken, dass sich keine grundsätzlich neue Lage ergeben habe. Und Ministeriumssprecher Egon Fischer ergänzte: "Wir haben ja Vorsorge getroffen." Das heißt, nach der geplanten Übernahme der Mehrheit halten die saarländischen Eigner das Heft bei der Saar-LB in der Hand, auch wenn die Bayern-LB aussteigt und ein anderer Investor ihren Platz einnimmt. Ein Sprecher der Bayern-LB bestätigte nur, dass der Verwaltungsrat der Landesbank bei Wyman ein Gutachten in Auftrag gegeben habe, um die geplante Neuausrichtung und Verkleinerung des Instituts bewerten zu lassen. Die Ende April vorgelegte Untersuchung "kommt zu dem Schluss, dass der Sanierungsplan der Bayern-LB plausibel und durchführbar ist". Ob das Gutachten in punkto Saar-LB von den bisherigen Plänen des Vorstands abweicht, wollte der Sprecher nicht näher erläutern. Klar ist nur, dass jetzt das Konzept bei der Europäischen Kommission liegt. Brüssel muss nämlich die Staatshilfen für die zweitgrößte Landesbank genehmigen. Hier könnten noch Einschnitte drohen. 31 Milliarden Euro hatten der Bund und das Land Bayern zur Rettung der Bank zur Verfügung gestellt.