Saar-Flughafen auf Rekordkurs

Saar-Flughafen auf Rekordkurs

Die Schließung des Flughafens in Zweibrücken hat dem Saar-Airport zahlreiche Passagiere gebracht. Für 2016 plant Flughafen-Chef Schuck mit 514 000 Fluggästen. Neue Ziele sind vorerst nicht geplant.

Vorsichtshalber bremst Flughafenchef Thomas Schuck in der Pressekonferenz allzu hohe Erwartungen, was die künftige Entwicklung der Passagierzahlen am Saar-Airport betrifft. Sollten wegen Terror-Aktionen beispielsweise in der Türkei Ferienziele wegfallen, "gehen uns schnell 20 000 bis 30 000 Passagiere verloren". Derzeit deute aber nichts darauf hin. Deshalb hält der Flughafen-Chef im laufenden Jahr erst einmal an seiner Planung mit 514 000 Passagieren fest. Wenn das gelingt, kommt man fast an das Allzeit-Hoch heran, das 2008 mit 518 288 Passagieren erreicht wurde.

Die Schließung des Flughafens in Zweibrücken habe zum Erfolg beigetragen, sagte Schuck. Demnach flogen nach dessen Schließung im vergangenen Jahr insgesamt 469 000 Menschen ab Saarbrücken , eine Steigerung um 70 000. Auch das führt zu einem Rekord, denn "der Saar-Airport hat damit die höchste Steigerungsrate aller internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland aufzuweisen", sagte Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD ). Diese positive Bilanz helfe dabei, die von der EU vorgegebenen Flughafen-Leitlinien zu erfüllen. Demnach muss es der Saar-Airport bis 2024 schaffen, im Flugbetrieb ohne Subventionen auszukommen. Nach Angaben von Rehlinger spricht derzeit alles dafür, dass diese Vorgabe schon 2020 erfüllt wird. Der Abbau des Defizits laufe "nach Plan". Während das Jahresergebnis 2012 ohne Abschreibung noch bei 6,2 Millionen Euro Defizit gelegen hat, sank es 2014 auf 5,1 Millionen und liegt aktuell bei 4,6 Millionen Euro.

Eine weitere Zunahme der Passagierzahlen soll zunächst nicht über neue Angebote, sondern über eine bessere Auslastung der Flüge erreicht werden. Die liegt im Schnitt bei 70 Prozent. Wöchentlich heben 74 Flieger ab. Als Einzugsgebiet sieht Schuck 2,5 Millionen Menschen in der Großregion mit einer Fahrzeit von 60 Minuten.

Nicht zufrieden ist man mit dem Berlin-Angebot. Trotz vier statt bisher drei Flügen täglich gegenüber 2014 "flogen 28 000 Passagiere oder 18,1 Prozent weniger in die Bundeshauptstadt". Für die Luxair hat sich die Ausweitung um eine Wochenendverbindung nach Hamburg ausgezahlt. Sie verzeichnete ein leichtes Plus von 1600 Passagieren (2,9 Prozent). Insgesamt flogen 57 800 Reisende mit Luxair nach Hamburg.

Die Air Berlin beförderte ab Saarbrücken nach Berlin und Mallorca 229 600 Passagiere . München als Ziel lasse sich derzeit wirtschaftlich nicht darstellen, sagte Schuck. Unter den Urlaubern bleibt Mallorca spitze. "Wir sind mit 141 300 Passagieren der Palma de Mallorca-Flughafen. Dort fliegen mehr Reisende hin als nach Berlin", so Schuck. Auf Platz zwei mit 73 600 Passagieren folgt Antalya. An Spitzentagen werden bis zu 1300 Reisende am Flughafen abgefertigt, der 100 Mitarbeiter beschäftigt.

Meinung:

Saarbrücken hat noch Potenzial

Von SZ-RedakteurThomas Sponticcia

Der unsägliche Streit um zwei Flughäfen in der Region hat nur geschadet. Jetzt ist der Saar-Airport gefordert, sein Marketing noch deutlich auszubauen, insbesondere in Frankreich und in der Pfalz. Viele Pfälzer, die ab Zweibrücken in den Urlaub geflogen sind, ziehen derzeit Karlsruhe vor. Mit konsequenter Werbung könnte man da sicherlich etwas ändern. Für Saarbrücken-Ensheim sprechen kurze Wege bei der Anfahrt, gute Parkmöglichkeiten und eine schnelle Abfertigung. Der zunehmende Terror, etwa auch in der Türkei, könnte aber Planungen schnell verhageln. Die sind mit 514 000 Passagieren für 2016 sehr ehrgeizig. Um sie zu erreichen, müssen wieder mehr Saarländer die Berlin-Verbindung nutzen. Hier ist Air Berlin gefordert, im Linienverkehr günstigere und bessere Angebote zu machen.