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Saar-Bau setzt auf Konjunkturprogramm

Saarbrücken. Die schlechte gesamtwirtschaftliche Lage hat mittlerweile auch die saarländische Bauwirtschaft erreicht Von SZ-Mitarbeiter Udo Rau

Saarbrücken. Die schlechte gesamtwirtschaftliche Lage hat mittlerweile auch die saarländische Bauwirtschaft erreicht. "Die von der Bundesregierung in Gang gesetzten beiden Konjunkturprogramme sind bei den Unternehmen unserer Branche noch nicht angekommen", sagte Hans-Ludwig Bernardi, Präsident des Arbeitgeberverbandes der Saarländischen Bauwirtschaft (AGV Bau Saar) bei der Vorlage der Frühjahrsumfrage zur Situation der heimischen Baubranche. An der Saar gibt es wie im gesamten Bundesgebiet merkliche Rückgänge im Wirtschafts- sowie im privaten Wohnungsbau. "Wenn die Konjunktur schlecht läuft, gehen die Aufträge für neue Werkshallen oder Erweiterungen automatisch zurück. Die Lage des Wirtschaftsbaus ist immer ein Spiegelbild der gesamtwirtschaftlichen Lage", sagte Bernardi. Die Auftragseingänge im Wirtschaftsbau gingen bundesweit im ersten Quartal um knapp 28, im Wohnungsbau um 17 Prozent zurück. Erstaunlich: Im Öffentlichen Bau verbuchte die Branche an der Saar in den ersten Monaten ein überraschendes Plus von 65 Prozent bei den Auftragseingängen.Allerdings rechnet die Bauwirtschaft für das Gesamtjahr 2009 dank der für das zweite Halbjahr erwarteten Auswirkungen der Konjunkturprogramme mit einem Minus von fünf Prozent beim Wirtschaftsbau und im Wohnungsbau von einem Prozent unterm Strich, sagte AGV-Vizepräsident Klaus Ehrhardt. Schnelle AuftragsvergabeIm Saarland seien Kommunen und Behörden mit dem Planungsvorlauf für die Umsetzung der Konjunkturprogramme auf regionaler Ebene gut und zügig vorangekommen, lobte Bernardi. "Für Ende Mai/Anfang Juni erwarten wir erste Auftragsvergaben", sagte er. Der AGV-Präsident rechnet damit, dass die saarländische Bauwirtschaft 2009 etwa ein Volumen von 70 Millionen aus den Konjunkturprogrammen als Aufträge erhalten dürfte "die wir dann verbauen können". Bernardi und Ehrhardt forderten die öffentliche Hand auf, das bis Ende 2010 mögliche, vereinfachte Vergabeverfahren ausreichend und schnell zu nutzen.Von den rund 1000 befragten Unternehmen an der Saar bezeichne gut die Hälfte die Auftragsbestände als zu gering, gerade 43 Prozent nannten sie ausreichend. Die hiesige Bau-Branche bezieht ihre Aufträge überwiegend aus dem Saarland: Im Wohnungsbau zu 80, im gewerblichen und öffentlichen Bau zu 60 Prozent. Knapp die Hälfte der Firmen ist mit den bestehenden Aufträgen für fünf bis neun Wochen ausgelastet, bei 15 Prozent reichen die Aufträge zwischen zehn bis zu 20 Wochen. Die Ertragslage bleibt schwierig: Gerade die Hälfte gibt kostendeckende Erlöse an, elf Prozent der heimischen Baufirmen arbeiten mit Verlust. Die Mehrheit (57 Prozent) geht für die nächsten sechs Monate von schlechteren Preisen aus. Trotzdem: "Angesichts der Knappheit guter Leute wollen die Firmen ihr Fachpersonal nach Möglichkeit halten", sagte Bernardi. Der Saar-Bau beschäftigte im Februar 2009 rund 8860 Mitarbeiter (plus 3,2 Prozent gegenüber 2008). Nach einem Gesamtumsatz der Branche im Saarland von 1,03 Milliarden Euro 2008 rechnet Bernardi für 2009 mit einem Minus von fünf Prozent.