Saar-Arbeitsmarkt ächzt unter der Krise

Saar-Arbeitsmarkt ächzt unter der Krise

Saarbrücken. Die Wirtschaftskrise hat auf dem Saar-Arbeitsmarkt weit stärker durchgeschlagen als es die offiziellen Arbeitslosenzahlen vermuten lassen. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) auf SZ-Anfrage mitteilte, waren im Juni 62 705 Saarländer "unterbeschäftigt"

Saarbrücken. Die Wirtschaftskrise hat auf dem Saar-Arbeitsmarkt weit stärker durchgeschlagen als es die offiziellen Arbeitslosenzahlen vermuten lassen. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) auf SZ-Anfrage mitteilte, waren im Juni 62 705 Saarländer "unterbeschäftigt". So hoch wäre die Arbeitslosenzahl nach Angaben der Statistiker, wenn die BA nicht mit Kurzarbeit und sonstigen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen massiv gegensteuern würde. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen lag zum gleichen Zeitpunkt nur bei 38 945. Der Arbeitslosenquote von 7,7 Prozent stand im Saarland damit eine Unterbeschäftigungsquote von 12,4 Prozent gegenüber. Der arbeitsmarktpolitische Puffer, der den Unterschied von 4,7 Prozentpunkten erklärt, ist der zweitgrößte aller westdeutschen Länder. Nur in Bremen ist diese Differenz mit 4,9 Prozentpunkten noch höher. Die saarländische Unterbeschäftigungsquote von 12,4 Prozent ist die dritthöchste in Westdeutschland nach Bremen (16,9 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (12,5 Prozent).Besonders groß ist im Saarland die Zahl der Kurzarbeiter, von denen es laut BA im Juni 27 097 im Saarland gab. Bei einem Arbeitszeitausfall von rund einem Drittel bedeutet dies, dass 8355 Arbeitnehmer an der Saar nur deshalb nicht arbeitslos waren, weil die BA die Betriebe mit der Zahlung von Kurzarbeitergeld entlastete. Das entspricht einem Anteil an allen zivilen Erwerbspersonen von 1,66 Prozent. Nur in Baden-Württemberg ist die Quote mit 1,78 Prozent noch etwas höher.Zu den "Unterbeschäftigten" zählt die BA aber auch zum Beispiel Ein-Euro-Jobber und Arbeitnehmer, die nur deshalb nicht arbeitslos sind, weil sie an Aktivierungs-, Eingliederungs- und Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen. Laut BA wurden diese arbeitsmarktpolitischen Instrumente "gerade mit Blick auf die Wirtschaftskrise beträchtlich ausgeweitet". Ganz besonders gilt dies für das Saarland. So stieg hierzulande die Zahl der Teilnehmer an beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen zwischen Juni 2008 und Juni 2009 von 2081 auf 3438. Das ist nach Angaben der Arbeitskammer mit einer Zunahme um 65,2 Prozent der zweithöchste Anstieg aller Länder nach Rheinland-Pfalz. Die Zahl der Ein-Euro-Jobber im Saarland nahm demzufolge im selben Zeitraum sogar bundesweit am stärksten zu: von 4255 auf 4739, was einem Anstieg um 11,4 Prozent entspricht. Meinung

Jenseits der rosa Wahlkampfbrille

Von SZ-RedakteurNorbert Freund Noch vor kurzem - beim Blick durch die rosarote Wahlkampfbrille - rühmte sich Ministerpräsident Peter Müller (CDU) der in den letzten Jahren gesunkenen Arbeitslosenzahlen im Saarland. Dabei hat sich die Lage auf dem Saar-Arbeitsmarkt im Zuge der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise zuletzt massiver verschärft als anderswo - vor allem wegen der starken Exportorientierung der Saar-Wirtschaft. Und die Strukturprobleme sind nach wie vor größer, der Anteil der Langzeitarbeitslosen ist weiterhin höher als in vielen anderen westdeutschen Ländern. Daher muss an der Saar natürlich auch stärker arbeitsmarktpolitisch gegengesteuert werden als anderswo.