rororo und die Folgen

Reinbek. Verlagsgründer Ernst Rowohlt hatte manche Eigenart. Eine war, dass er Manuskripte anblätterte, sie dann an seinen massigen Kopf schlug und entschied, ob er es druckte. Wenn das nicht nur Legende ist, wäre das eine beachtliche Prüfungsleistung

Reinbek. Verlagsgründer Ernst Rowohlt hatte manche Eigenart. Eine war, dass er Manuskripte anblätterte, sie dann an seinen massigen Kopf schlug und entschied, ob er es druckte. Wenn das nicht nur Legende ist, wäre das eine beachtliche Prüfungsleistung. Denn unter dem 1960 Verstorbenen brachte der Verlag Bücher von Kafka, Rudolf Borchardt, Musil, Walter Benjamin und Tucholsky heraus - viele wurden Bestseller. Im Frühjahr 1908 wurde in München ein schmaler Gedichtband mit der Widmung "Für Ernst Rowohlt" veröffentlicht, das erste als Privatdruck von Rowohlt verlegte Stück Literatur. Bald darauf ging das Unternehmen nach Hamburg. Dort gebar der Verleger nach dem Krieg eine seiner durchschlagendsten Ideen: die rororo-Reihe, außerordentlich günstige Taschenbücher mit Weltliteratur. Jeder konnte nun große Literatur kaufen. Zur Demokratisierung des Buches trugen die rororo-Bände wesentlich bei. Zeitweise verkaufte Rowohlt mehr als zwei Millionen Taschenbücher - im Monat. In seinem Auftreten war Rowohlt Glamour nach entbehrungsreichen Jahren wichtig. Boten brachten Verträge in Hamburger Bordells, es soll Perioden gegeben haben, in denen Verlagsangestellte monatelang auf ihr Gehalt warteten. Auf Ernst Rowohlt folgte Sohn Heinrich Maria Ledig-Rowohlt, auch er kein Kind der Traurigkeit und nonkonformistisch. Mit großem Erfolg: Die APO etwa verlegte ihre Bücher bei Rowohlt.1983 verkaufte Ledig-Rowohlt den Verlag an Holtzbrinck, das Unternehmen wurde seriös. Vor einigen Jahren bat der neue Besitzer McKinsey zum internen Check, daraufhin wurden 30 Stellen gestrichen und eine Rendite von zehn Prozent vorgegeben. Mit Alexander Fest holte man einen Fachmann an die Verlagsspitze. Sein größter Erfolg: Daniel Kehlmanns "Vermessung der Welt"; mehrere Verlage hatten das Manuskript abgelehnt. Wie fest Fest allerdings derzeit im Führungssattel sitzt, ist nicht bekannt. rmi