Romantik, die zu Herzen geht

Romantik, die zu Herzen geht

Bei der dritten SR-Matinee rissen sowohl das Programm als auch Musiker und Dirigent das Publikum mit sich – und zu stehenden Ovationen hin. Werke von Max Bruch und Richard Strauss wurden virtuos zu Gehör gebracht.

"Ich kann dieses Concert nicht mehr hören, habe ich vielleicht bloß dieses eine Concert geschrieben?" So klagte der Komponist und Dirigent Max Bruch über sein erstes Violinkonzert, das so populär geworden war, dass sein restliches Werk schnell der Vergessenheit anheimfiel. Da staunte man am Sonntagvormittag in der SR-Matinee in der Saarbrücker Congresshalle, was der Geiger Guy Braunstein aus diesem so häufig "abgenudelten" Meisterwerk machte. Mit gerundetem Ton, elegantem Zugriff und selbstverständlicher Virtuosität traf Braunstein den rhapsodisch-romantischen Ton ganz genau. Er versenkte sich im Kopfsatz in das Spannungsfeld des lyrisch-balladesken bis leidenschaftlichen Gestus, gab dem Adagio Süße, nicht Süßlichkeit, und kehrte im Finale humorvoll das ungarisierend Auftrumpfende heraus. Ein überzeugend ehrliches Bekenntnis zu einer Romantik, die von Herzen kam und zu Herzen ging. Da gab es Ovationen für den Saitenkünstler und raffiniert selbstgestrickte Zugaben über Motive von Kreisler und Brahms.

Für kongeniale orchestrale Unterstützung sorgte die Deutsche Radio Philharmonie unter der Leitung des indonesisch-amerikanischen Dirigenten Wilson Hermanto, der für den erkrankten Chefdirigenten Karel Mark Chichon eingesprungen war. Dies mit herzhaftem Aplomb, denn lustvoller konnte das weitere Programm für Dirigent und Orchester kaum sein. Zum 150. Geburtstag von Richard Strauss wurden drei seiner sinfonischen Highlights geboten. Hatte Hermanto zu Beginn das Liebesleben des "Don Juan" in glühenden Farben vorgestellt, konnte er mit "Tod und Verklärung" das Orchester zu virtuoser, intensiver Höchstleistung inspirieren.

Auch wenn der spirituelle Programm-Bezug etwas im Hintergrund blieb, war es ein Erlebnis: Ein homogener, satter Streicherklang, elegant-bewegliche Holzbläser, ein urgewaltig-glänzendes Blech. Nicht zu vergessen die bei Strauss so bevorzugt präsentierten, standfesten Hörner. Da half sicher auch der emotionale, musikalisch motivierte Körpereinsatz Hermantos, auch wenn so mancher im Publikum dies als amerikanische "Show" empfunden haben mag. In der finalen "Rosenkavalier-Suite" bündelten sich noch einmal all die dirigentischen und orchestralen Qualitäten zu einem mitreißenden Höhepunkt, den das Publikum begeistert feierte.