„Robin Hood der Übersetzer“: Helmlé-Preis für Hinrich Schmidt-Henkel

„Robin Hood der Übersetzer“: Helmlé-Preis für Hinrich Schmidt-Henkel

Der im Saarland aufgewachsene Hinrich Schmidt-Henkel gilt als einer der profiliertesten Übersetzer in Deutschland. Am Montagabend wurde er in Sulzbach mit dem Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis ausgezeichnet.

Eine Verbeugung vor dem Schwarz-Weiß-Bild des Mentors: Hinrich Schmidt-Henkel sagte so am Montagabend in der Sulzbacher Aula "danke" für Inspiration, Ermunterung, Hilfe, für den Impuls überhaupt, das finanziell so wenig einträgliche, geistig aber so erfüllende Übersetzerhandwerk zu ergreifen. Kunst sollte es richtiger heißen.

Seit der Eugen-Helmlé-Preis 2005 erstmals verliehen wurde, in Erinnerung an den fünf Jahre zuvor verstorbenen Übersetzer aus Sulzbach , gab es wohl keinen Preisträger, der Helmlé tatsächlich so viel verdankt. In seinen jungen, seinen saarländischen Jahren, war Helmlé für Schmidt-Henkel bereits ein intellektueller Ankerpunkt. Bei Gerhard Schmidt-Henkel, dem Saarbrücker Germanistik-Professor und Hinrichs Vater, trafen sich damals jene hierzulande, denen Literatur Beruf und Passion zugleich war. Und als Hinrich Schmidt-Henkel nach dem Lehramtsstudium mit dem Übersetzen liebäugelte, war es eben Eugen Helmlé, der ihn ermunterte: "Mach das, du schaffst das." Bemerkenswerte Prophetie. Heute nämlich ist der 55-Jährige, mittlerweile in Berlin zuhause, selbst einer der wichtigsten literarischen Übersetzer in Deutschland. Aus dem Französischen (Diderot, Echenoz, Guibert, Houellebecq, Viel), dem Norwegischen (Ibsen, Nesbø) und dem Italienischen (Carlotto, Benni).

Seine Dankesworte für den mit 10 000 Euro dotierten Preis (getragen vom SR, der Stadt Sulzbach und der Stiftung ME Saar) waren darum eine Hommage an Eugen Helmlé. Gewiss, erfreulich sei es, dass man sich mit diesem Preis an den großen Saarländer erinnere. Doch Schmidt-Henkel zog auch den Vorhang blinder Verehrung beiseite. Man solle doch genauso bitte im Gedächtnis behalten, welch' scharfer Geist, welch' kritischer Kopf Helmlé auch war. Kein jedem gefälliger Lobredner. "Klerofaschismus" habe er die Regierung des Nachkriegssaarlands gegeißelt. Was würde dieser Eugen Helmlé wohl zu den Einlassungen der amtierenden Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer in puncto Homo-Ehe sagen? "Ob die schon im 21. Jahrhundert oder wenigstens im 20. Jahrhundert angekommen ist?" An diesem Ziehsohn hätte Eugen Helmlé wohl seine Freude gehabt.

Der Laudator, Florian Höllerer, Leiter des Literarischen Colloquiums Berlin, formulierte dann brillant das, was viele wohl bei der Lektüre von Schmidt-Henkels Übersetzungen empfinden. Oder, wenn sie ihn als Moderator und Lesenden erleben: "Gänsehaut" beim Lesen, beim Zuhören. Doch nicht allein seine Sprachvirtuosität, sein Einfühlen in den Klang, die Rhythmik der fremden Sprache sei zu rühmen - und wie er dafür das deutsche Pendant findet, Schmidt-Henkel sei zugleich einer, der für seine Zunft streitet. Die man mit Hungerlöhnen abspeist. Als Vorsitzender des Verbandes deutschsprachiger Übersetzer streite Schmidt-Henkel wie ein "Robin Hood der organisierten Übersetzer " für seine Kollegen.

Was aber soll alles Reden über Literatur , wenn man sie lesen oder hören kann: Schmidt-Henkel las darum mit dem französischen Autor Tanguy Viel, dessen Kriminalromane er übersetzt, im Wechsel. In der Sprachmelodie, dem Rhythmus der Worte fast wie ein musikalisches Thema und seine Variation. Ganz nah beieinander und doch jeweils ein eigener Klang.

SR 2 Kulturradio sendet einen Mitschnitt am 15. September ab 20.04 Uhr.