„Reifer und dramatischer“

„Reifer und dramatischer“

Vor 17 Jahren wurde Frank Nimsgerns „Paradise of Pain“ am Saarländischen Staatstheater uraufgeführt. Rund 60 000 Menschen sahen das Musical damals – ein Publikumsrekord. Am Samstag hat die neue Version dieses Erfolgsstückes Premiere in Saarbrücken.

Als sich Frank Nimsgern 1998 ans Werk machte, "Paradise of Pain" zu schreiben, ahnte er nicht, dass dieses Musical so hohe Wellen schlagen würde. Nicht nur die regionalen Medien überschlugen sich vor Lob, auch überregional fand das - für damalige Verhältnisse - unkonventionelle, schrille Musical große Beachtung, ARD und ZDF berichteten zur besten Sendezeit. Nimsgern war damals 27 Jahre alt und hatte sich gerade mit dem Kinder-Musical "Hänsel und Gretel" für den Berliner Friedrichstadtpalast einen Namen gemacht. Landauf landab spielte man bevorzugt eingängige bis süßlich-romantische Musicals im Andrew-Lloyd Webber-Sound. Für "Paradise of Pain" hingegen experimentierte der junge saarländische Komponist mit einer frech-frischen Mischung aus Funk, Jazz, HipHop und klassischen Musikelementen. In der Hölle lässt Nimsgern es in Lack und Leder rocken, im Himmel gibt's die gefühlvollen Balladen - das Publikum jeden Alters zeigte sich begeistert. "Es war damals ein Riesen-Hype", erinnert sich Frank Nimsgern . Sein Musical schlug nicht nur in Saarbrücken ein wie eine Bombe, sondern wurde und wird bis heute in anderen Städten gespielt (Trier, Stuttgart, Gütersloh). "Wir haben es mit diesem Musical geschafft, die Klassik-Fans als auch die HipHop-Generation ins Theater zu locken", sagt er selbstbewusst. Allein in Saarbrücken gab es 56 ausverkaufte Vorstellungen mit insgesamt fast 60 000 Zuschauern.

Was ab Samstag 21 Mal bis Juli im Staatstheater als "Paradise of Pain 2.0" über die Bühne gehen wird, sei aber nicht einfach nur eine leicht modifizierte Neufassung. "Machen Sie sich auf Überraschungen gefasst!", kündigt Nimsgern an. "Die Geschichte wird aus einer ganz anderen Perspektive erzählt. Es ist eine völlige Neuinterpretation". Die Besetzung ist beachtlich. Mit dabei sind zum Beispiel Sandy Mölling , ehemals Mitglied der Girl-Band "No Angels ", der gefragte Musical-Darsteller Patrick Stanke ("Casanova", "Amadeus") und Sasha Di Capri ("Rocky" in Hamburg). Ein Wiedersehen gibt es mit Anke Fiedler und Eric Minsk ("beide aus der "Rocky Horror Show" 2012).

Zur Handlung: In der ursprünglichen Version werden durch einen Computerfehler der Heiligen Dreifaltigkeit zwei Männer nach ihrer Ermordung in die falschen Bereiche des Jenseits geschickt: Der grundgute Johannes Taucher (Patrick Stanke) findet sich in der Hölle wieder, wo sexy Mephista (Anke Fiedler) herrscht. Der Ganove Jonathan Diver (Sasha Di Capri) kommt in den Himmel - und damit ins Reich von Angelina (Sandy Mölling ). In der neuen Fassung hingegen beginnt das Musical in der Notaufnahme, wo die beiden Angeschossenen ins Koma fallen und sich in der Vorhölle wiederfinden.

Inszeniert wird das neue "Paradise" von Sebastian Welker, der 2011 schon die "Rocky Horror Show" am Staatstheater auf die Bühne brachte sowie unter anderem Wagners "Parsifal" (2012) - beides unkonventionelle, einfallsreiche Produktionen. Ein Faible für Richard Wagner verbindet das Team Welker/Nimsgern. Wer genau hinhöre, könne etwa ein "Rheingold"-Motiv erkennen, gibt Frank Nimsgern ein Beispiel für seine Art zu komponieren. Die kommt nicht von ungefähr: Der Sohn des international bekannten Wagner-Sängers Siegmund Nimsgern - wie er selbst sagt als kleiner Junge "gequält mit Wagner, Richard Strauss und anderen Klassikern" - schöpft heute dankbar aus eben diesem großen musikalischen Reservoir, das in seiner Kindheit angelegt worden sei, als er mit den Eltern um die Welt zog, weil sein Vater an vielen großen Bühnen engagiert war.

"Paradise of Pain 2.0" werde "weniger komödiantisch, tiefer, reifer, filmischer, dramatischer - und kürzer" ausfallen als die erste Version. Die Fans müssen aber auf keinen Hit verzichten, beruhigt Nimsgern - und es gibt drei neue Songs und viele neue Arrangements.

Komponist und Musiker Frank Nimsgern. Foto: Nimsgern. Foto: Nimsgern

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Auf einen BlickFrank Nimsgern möchte sein Publikum kennenlernen. Nach den Vorstellungen am 25. Mai, am 7./23. Juni und am 2./7. Juli kann man den Komponisten im Staatstheater-Foyer am Flügel treffen und Darsteller kennenlernen.Vorstellungen im Mai: 2., 5., 9., 25. und 30. Karten gibt es unter Tel. (06 81) 30 92 486. red

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