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Reifer Klang, junges Spiel

Hilary Hahn, mit 28 Jahren eine gefeierte Violinistin. Foto: dpa
Hilary Hahn, mit 28 Jahren eine gefeierte Violinistin. Foto: dpa
Metz. Es war, als wollte sie zum Abschied noch einmal mit Nachdruck zeigen, wo der Hammer hängt. Die Gigue aus Bachs Partita Nr. 2, die Hilary Hahn am Dienstagabend im Arsenal in Metz als Zugabe geradezu aus dem Ärmel schüttelte, war von solch technischer Perfektion und mitreißender Natürlichkeit, dass der Applaus-Sturm kaum zu bremsen war Von SZ-Redaktionsmitglied Johannes Kloth

Metz. Es war, als wollte sie zum Abschied noch einmal mit Nachdruck zeigen, wo der Hammer hängt. Die Gigue aus Bachs Partita Nr. 2, die Hilary Hahn am Dienstagabend im Arsenal in Metz als Zugabe geradezu aus dem Ärmel schüttelte, war von solch technischer Perfektion und mitreißender Natürlichkeit, dass der Applaus-Sturm kaum zu bremsen war. Es war jedoch nur das Sahne-Häubchen, das die 28-jährige Geigerin aus den USA nachlieferte, nachdem sie mit Mozarts fünftem und wohl fantasievollstem Violinkonzert (A-Dur) Zeugnis ihrer großen musikalischen Reife abgelegt hatte. Und mit ihr das junge Budapest Festival Orchestra, geleitet von seinem Gründer Iván Fischer.


Hahns Attitüde ist weder die Ungestümheit ihrer Altersgenossin Janine Jansen noch der Glamour einer Anne-Sophie Mutter. Ernsthaft, in sich versunken, stieg sie ins Adagio ein, schwelgerisch, sanglich und mit ganz viel Vibrato. Und so spielte sie sich durch alle drei Sätze: hochkonzentriert und expressiv, der klassischen Schlichtheit Mozarts eine persönliche dramatische Note entgegensetzend - vor allem in den ornamentreichen Kadenzen. Das Budapest Orchestra, das vor Hahns Auftritt mit Rossinis Ouvertüre zur Oper "Die diebische Elster" einen kraftvollen Einstieg hingelegt hatte, breitete dafür vor der Violonistin den zu ihrer Entfaltung angemessenen nuancenreichen Klang-Teppich aus.

Zu Hochform lief der ungarische Klangkörper jedoch erst im zweiten Teil des Abends auf. Dvoraks kontrastreiche Siebte Sinfonie (D-Moll) - unter Fischers Dirigat wurde sie zu einem leidenschaftlichen Strom der Gefühle: zart in den D-Moll-Klage-Passagen des ersten Satzes, zupackend im finalen Allegro. Was nun, außer der Anwesenheit Robert Leonardys im Publikum, dieses vom Arsenal Metz organisierte Konzert zu einem Teil der Musikfestspiele Saar macht, blieb unklar. Mehrsprachig war an diesem Abend jedenfalls nichts. Ein englisches oder gar deutsches Wort suchte man im Programmheft vergeblich. So blieb die Größe der Musik. Sie bedurfte keiner Worte.



Auf einen Blick

Mit Bernsteins "Kaddish"-Sinfonie werden die Musikfestspiele am Samstag, 9. Mai, 20 Uhr in der Alten Schmelz in St. Ingbert offiziell eröffnet. Bereits ab 18.30 Uhr gibt es ein buntes Programm mit Big Band-Musik. Karten gibt es noch an der Abendkasse. red

Infos im Internet: www.saarbruecker-zeitung.de/musikfestspiele