| 20:19 Uhr

Regisseur Veiel inszeniert die Gesichter der Finanzkrise

Stuttgart. Sie verzocken Milliarden, kassieren hohe Boni und tragen teure Anzüge: Fast zwei Dutzend solcher Top-Banker hat der Regisseur und Filmemacher Andres Veiel getroffen und sich von ihnen in die Geheimnisse der Finanzbranche einweihen lassen. Das Resultat macht er nun öffentlich: Am Freitag feiert "Das Himbeerreich" in Stuttgart seine Uraufführung

Stuttgart. Sie verzocken Milliarden, kassieren hohe Boni und tragen teure Anzüge: Fast zwei Dutzend solcher Top-Banker hat der Regisseur und Filmemacher Andres Veiel getroffen und sich von ihnen in die Geheimnisse der Finanzbranche einweihen lassen. Das Resultat macht er nun öffentlich: Am Freitag feiert "Das Himbeerreich" in Stuttgart seine Uraufführung. Veiels Theaterstück entstand in Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin, wo es am 16. Januar Premiere hat. "Ich habe mit sehr vielen Alphatieren gesprochen, die es sehr weit nach oben geschafft haben", erzählt Veiel. Als die Deutsche Bank jüngst Besuch von der Steuerfahndung hatte, habe ihn dies nicht gewundert. Zum Schutz seiner Gesprächspartner hat Veiel das Gesprächsmaterial aber vernichtet. "Ich kann nur soviel sagen: Mich überrascht es nicht, wenn in nächster Zeit noch andere Türme gestürmt werden."In "Das Himbeerreich" geht es aber nicht darum, gewissenlose Zocker vorzuführen. Veiel sagt, ihn interessierten die Strukturen des Finanzsystems - und die Beweggründe der Menschen dahinter. "Die erste Assoziation ist Gier. Aber ich glaube, (...) dass es um Anerkennungsverhältnisse geht und den Kick", sagt Veiel. Oft hätten die Banker, die er getroffen habe, in der Kindheit Demütigung erfahren. Im Stück wird auch das dokumentiert.


Am meisten beschäftigt habe Veiel allerdings nicht die Banker-Seele, sondern die Frage, inwieweit politische Entscheidungen mit der Finanzkrise zusammenhängen. Es sei beunruhigend, "mit welcher Selbstverständlichkeit der Staat bestimmte Deals propagiert hat." dpa

Infos und Tickets im Internet: www.staatstheater-stuttgart.de; www.deutschestheater.de