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| 20:17 Uhr

Raue Freiheit in der Fremde

Alice Springs. Drei Stunden fliegt man von Sydney, schon bald über wüstenhaftem Niemandsland, nach Alice Springs: Ein lausiges Nest, das der geografische Mittelpunkt Australiens ist, während sein eigener ein riesiger Coles-Supermarkt mit angeschlossenem Alkoholshop ist, vor dem in der Mittagssonne ein paar Aborigines herumlungern

Alice Springs. Drei Stunden fliegt man von Sydney, schon bald über wüstenhaftem Niemandsland, nach Alice Springs: Ein lausiges Nest, das der geografische Mittelpunkt Australiens ist, während sein eigener ein riesiger Coles-Supermarkt mit angeschlossenem Alkoholshop ist, vor dem in der Mittagssonne ein paar Aborigines herumlungern. Um Wein zu kaufen, müssen wir erst den Kofferraum unseres Mietwagens wieder ausräumen. Ganz hinten im Koffer sind die Pässe, die sie vor der Ausgabe einscannen. In Australien liebt man die Freiheit, aber man reglementiert sie auch gerne. Was Alkohol angeht, vielleicht nicht das Schlechteste - solange die Pässe greifbar sind.

Vor, neben und hinter Alice Springs breitet sich über hunderte von Kilometern Savanne aus: gelbes Gras, ziegelrote Erde und dazu das gedämpfte Grün der Wüstenbüsche, die es nach Süden hin selten zu Bäumen bringen. Großartig. Noch schöner wäre es, könnte man darin auch umherlaufen. Dass es nicht geht, ließ sich schon auf dem Rollfeld ahnen. Mücken fielen über uns her. Die Gewappneten packten Tropenhüte aus, Netze bis auf die Schultern. Alle anderen schlugen um sich. Später picknickten wir unter einem Moskitonetz.

Ein Wunder, dass in dieser Einsamkeit, die der Stuart Highway in Richtung Süden in zwei gleiche Teile schneidet, Menschen leben. Alle 100 Kilometer in Motels und hin und wieder sogar auf einer Rinderfarm. Jede Ortschaft eine Tagesreise weg. Nur geplatzte Reifen am Straßenrand verheißen Leben. Selten genug, sodass man sich, wenn es denn geschieht, gegenseitig zuwinkt, kommt einem ein Auto entgegen.

Tagelang lässt sich durch diese Wüstenei fahren, ohne ihrer müde zu werden. Was ist hier anders als in den kein Ende findenden, menschenleeren Weide- und Waldlandschaften von Victoria und New South Wales? Verniedlicht von idyllischem Grün und spießigen Ortschaften, macht sich dort statt des von Weite, Verlassenheit und Fremde genährten Wüstengefühls Monotonie breit. Hier aber begreift man, was andere an diesem Land lieben: schiere Größe, die sich nicht wie auf dem platten Land wieder miniaturisiert, sondern ihre raue Ehrlichkeit behält. Und in der Nüchternheit der Motels ihre soziale Entsprechung findet. Orte, an denen Anonymität groß geschrieben wird, selbst Ausdruck von Weite, Verlassenheit und Fremde.

Vor 30 Jahren gebaut, ist das Erldunda einer dieser typischen, staubigen Haltepunkte für Leute, die nur das Unterwegssein verbindet. Tankstelle, kleines Restaurant, ein Shop mit Wegzehrungen und 54 Zimmer, von außen eines wie das andere. Eine Architektur, die nicht lange herumredet: Du willst ein Bett, einen Kühlschrank und ein Klo, da hast du's. Der zeitlose Motel-Charme gründet in einer seriellen Ästhetik äußerster Reduktion, die jeden Stuhl oder Air-Condition-Kasten auf der umlaufenden Veranda zum Open Air-Exponat macht. Drei Generatoren sind der Tag und Nacht brummende Lebensmotor dieser Versorgungsstation. Aus zehn Kilometer entfernten Bohrlöchern wird das Wasser hergepumpt (Tagesverbrauch über 80 000 Liter). Bärbeißige Gestalten sitzen in der Bar. Im CD-Regal alte AC/DC-Platten und Countryware für die Trucker. Einmal die Woche bringt ein Truck Lebensmittel aus Alice Springs oder Adelaide. Wer hier arbeitet, wird gut bezahlt. Und bleibt trotzdem meist nicht lange. Hier, wo man, um ins Kino oder Stadion oder einen Park zu gehen, das Flugzeug nehmen muss. Alice Springs genügt solchen Wünschen nicht. Wöchentlich berichtet unser Kollege Christoph Schreiner von seiner Weltreise - mit seiner Frau Elke Ott und den Kindern Julius (4) und Marie (6).