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Protest nicht mit Sarg und Kreuz

Saarbrücken/Völklingen. Beim Sarg ist der Deckel vorläufig zu. Im Streit zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Geschäftsführung der Hela-Profizentren (Baumärkte) entschied das Arbeitsgericht Saarbrücken gestern in einem einstweiligen Verfügungsverfahren, dass die Hela-Mitarbeiter den Button, der einen Sarg mit einem Kreuz zeigt, nicht mehr bei der Arbeit tragen dürfen Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid

Saarbrücken/Völklingen. Beim Sarg ist der Deckel vorläufig zu. Im Streit zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Geschäftsführung der Hela-Profizentren (Baumärkte) entschied das Arbeitsgericht Saarbrücken gestern in einem einstweiligen Verfügungsverfahren, dass die Hela-Mitarbeiter den Button, der einen Sarg mit einem Kreuz zeigt, nicht mehr bei der Arbeit tragen dürfen. Mit diesem Button wollten die Verdi-Mitglieder dagegen protestieren, dass bei Hela die Tarifbindung Ende vergangenen Jahres ausgelaufen ist. "In tiefer Trauer gedenken wir unseres Freundes, dem Tarifvertrag. Durch die Rechte, die du uns gesichert hast, waren wir geschützt. Du warst uns stets treu, bis du uns von der Geschäftsführung genommen wurdest …" steht auf dem Anstecker."Ich fand diesen Button unangemessen, geschmack- und pietätlos", verteidigt sich Erich Huwer, Geschäftsführer der Hela-Profizentren, die zu den Globus-Baumärkten mit Sitz in Völklingen gehören. "Daher hat die Geschäftsführung das Tragen dieses Buttons am Arbeitsplatz verboten", sagt Huwer. Die Beschäftigten seien freigestellt und zu Hause. Es hätten sich Kunden beschwert, die sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt sahen. "Gegen andere Anstecker habe ich hingegen nichts", meint Huwer. "Wenn die Mitarbeiter den Button nicht mehr tragen, dürfen sie auch wieder arbeiten kommen." Verdi hofft auf das Hauptverfahren. Denn die Gewerkschaft steht auf dem Standpunkt, dass mit dem Button-Verbot die Meinungs- und Koalitionsfreiheit verletzt sei. "Diese Rechtsgüter müssen gewürdigt werden", so Verdi-Landeschef Alfred Staudt.

Hintergrund der Auseinandersetzung, ist, dass es in den Hela-Fachmärkten in der Tat keine Tarifbindung mehr gibt. "Doch wir zahlen unseren Leuten mehr, als es der Tarifvertrag vorsieht", macht Hela-Geschäftsführer Huwer deutlich. Schon im März habe Hela eine Gehaltserhöhung von drei Prozent zugestanden, "drei Monate, bevor diese im Tarifvertrag des Einzelhandels wirksam wurde", merkt der Handelsmanager an. Im nächsten Jahr zahle Hela 2,5 Prozent statt der im Flächentarifvertrag vereinbarten zwei Prozent. Auch die Einmal-Zahlung falle mit 75 Euro um 25 Euro höher aus. Wenn in den einzelnen Märkten die Geschäfte gut laufen, "gibt es zudem Extra-Prämien".

Verdi will allerdings erreichen, dass Hela in den Flächentarifvertrag zurückkehrt, "um langfristig Dumpinglöhne zu verhindern". "Wir werden den Kampf noch intensivieren", sagt die zuständige Gewerkschafts-Sekretärin Steffi Recknagel. "Es gibt keinen Zwang zum Abschluss von Tarifvertragen", gibt die Hela-Geschäftsführung zu Protokoll. "Das sehen 48 Prozent aller Einzelhandelsbetriebe genauso."

Die 26 Hela-Profizentren gehören seit 2008 zu den Globus-Fachmärkten (Baumärkte). In den Zentren sind rund 2000 Mitarbeiter beschäftigt.