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Presseschau
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Die „Mittelbayerische Zeitung (Regensburg) sieht mit dem Kompromiss über den Familiennachzug die Chancen für ein Ja der SPD-Basis zur  Groko gewachsen:

Union und SPD haben mit dem Kompromiss zum Familiennachzug für Kriegsflüchtlinge eine große Hürde für die nächste gemeinsame Regierung überraschend geräuschlos aus dem Weg geräumt. (...) Hartgesottene No-Grokos unter den Sozialdemokraten, etwa unter den Jusos, dürfte der jetzige Kompromiss zwar nicht plötzlich zu einem Ja bewegen. Möglicherweise jedoch befindet eine Mehrheit in der SPD, dass es gut ist, dass überhaupt noch etwas bewegt werden konnte.



Das „Flensburger Tageblatt“ dagegen spottet über die SPD:

Die schlechte Nachricht für Schulz ist: Die Einigung trägt die Farbe schwarz. Verkauft der SPD-Chef nun sogar diese Vereinbarung schon als roten Triumph, ist seine Partei vom Junior- zum Baby-Partner geschrumpft. Das kann nicht dem Selbstbild der SPD entsprechen. Seinen Kritikern hat er neue Nahrung gegeben.

Das „Badische Zeitung“ (Freiburg) hält hierzu fest:

In Wahrheit spiegelt der Beschluss fast 1:1 die während der Sondierungen zwischen Union und SPD getroffene Vereinbarung wider. Lediglich eine Härtefallregelung, die im Sondierungsprotokoll nicht erwähnt war, wird nun explizit für anwendbar erklärt. Dies entspricht allerdings heute schon geltendem Recht. Die entsprechende Passage im Aufenthaltsgesetz als Nachbesserung gegenüber dem ursprünglichen Kompromiss zu verkaufen, ist Augenwischerei - und zeigt, wie verzweifelt die Lage gerade der SPD weiterhin ist.

Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ zweifelt angesichts des Flüchtlingsthemas generell an der Prioritätensetzung der SPD:

Es ist ein Grundproblem der SPD, es ist die ungelöste Frage danach, ob und inwieweit die Partei in alten Traditionsmustern verharrt oder sich neu aufstellen muss, wie pragmatisch sie die Interessen der Arbeiter vertreten will. Oder ob es doch darum geht, das moderne Stadtpublikum für sich zu gewinnen. Diese ungelösten Fragen haben die Sozialdemokraten mit in die Koalitionsverhandlungen genommen. Deshalb verbeißen sie sich in Härtefälle beim Familiennachzug, der eigentlich nie ein sozialdemokratisches Herzensthema war. Es nimmt den Genossen die Freude am eigenen Tun und kostet wahrscheinlich viel mehr Wähler als mancher Spiegelstrich, bei dem sich die Union in den Koalitionsverhandlungen durchsetzt. Nur verstanden hat die SPD das noch nicht.