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Presseschau
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Die „Frankfurter Allgemeine“ schreibt zur Wahrscheinlichkeit eines Verbleibs der Briten in der EU:

Nur die letzten Tagträumer in Brüssel, die immer noch glauben, die EU müsse ein Staat werden, dürften froh sein über den britischen Austritt. Aber ist eine Kehrtwende auch realistisch? Die britischen Wähler scheinen allmählich zu verstehen, welche Suppe sie sich eingebrockt haben; zuletzt gab es in Umfragen wieder Mehrheiten für einen Verbleib in der EU. Die regierenden Konservativen jedoch werden kein Interesse haben, den innerparteilichen Konflikt über die EU-Mitgliedschaft wieder voll entbrennen zu lassen. Selbst ein Regierungswechsel wäre keine Gewähr für den Exit vom Brexit. Labour-Chef Corbyn ist bisher nicht als überzeugter Europäer aufgefallen.



Der Berliner „Tagesspiegel“ kommentiert zum selben Thema:

Die Brexiter meinen, heute sei die Abneigung gegen die EU noch größer. Die Pro-Europäer setzen dagegen, die Briten hätten bei der ersten Abstimmung überhaupt nicht realisiert, um welch’ dramatische Konsequenzen es geht. Alle zusammen darf man daran erinnern, dass Frankreich schon einmal aus der Nato ausgetreten ist, ohne sie richtig zu verlassen. Und heute? Eine Nato ohne Frankreich ist eigentlich so unvorstellbar wie ein Europa ohne England.

Zum Kurs von Präsident Macron in der Migrationspolitik meint die französische Zeitung „Ouest-France“:

Nicht alle seine Wähler haben es vergessen. Emmanuel Macron wurde aufgrund seines Versprechens einer Öffnung im Gegensatz zu der von Marine Le Pen gepredigten Abschottung gewählt. (...) Indem er eine „Sprache der Wahrheit“ fordert, spielt er die Öffentlichkeit, die eher eine Beschränkung des Asylrechts befürwortet, gegen die (Hilfs-)Organisationen, die Intellektuellen und Politiker aus. Wenn er scheitert, wird der Front National davon zu profitieren wissen. Man hat es in Deutschland gesehen, wo die Öffnung der Tore die Kanzlerin viel gekostet hat.

Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt zur Forderung der PLO nach Aussetzung der Anerkennung Israels:

Es ist verständlich, dass viele Palästinenser die Geduld verlieren, wenn der ihnen versprochene Staat in immer weitere Ferne rückt. Israel treibt den Siedlungsbau voran, die Unterstützung durch Donald Trump versteht Benjamin Netanjahus Regierung als Freibrief. Mehr als 1100 weitere Wohneinheiten sollen in diesem Jahr gebaut werden – das kritisierte sogar das ansonsten zurückhaltende Auswärtige Amt in Berlin. (...) Das ist das traurige Fazit des Tages, an dem der Nahost-Friedensprozess starb: Weder Israelis noch Palästinenser legen Vorschläge für die Zukunft vor. Frieden sät schon lange keine Seite mehr.