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Praktiker hält das Geld zusammen

Saarbrücken. "Zur Entwarnung besteht kein Anlass" - mit seinem Ausblick auf das zweite Halbjahr hat Praktiker-Chef Wolfgang Werner (Foto: SZ) die rund 150 Aktionäre, die zur Hauptversammlung der Baumarktkette in die Saarbrücker Saarlandhalle gekommen waren, auf einen Sparkurs eingeschworen Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Saarbrücken. "Zur Entwarnung besteht kein Anlass" - mit seinem Ausblick auf das zweite Halbjahr hat Praktiker-Chef Wolfgang Werner (Foto: SZ) die rund 150 Aktionäre, die zur Hauptversammlung der Baumarktkette in die Saarbrücker Saarlandhalle gekommen waren, auf einen Sparkurs eingeschworen. "Oberste Ziele in diesem Jahr sind Ertrags- und Liquiditätssicherung", sagte Werner. Zwar seien nach einem schlechten ersten Quartal die Monate April und Mai wieder besser gelaufen, doch es sei nicht klar, wie das zweite Halbjahr verlaufen werde. "Es ist nicht auszuschließen, dass die Konjunktur angesichts drohender Arbeitslosigkeit wieder einbricht", sagte Werner. Für die Aktionäre heißt dies, dass sie auf einen Großteil ihrer Dividende verzichten. Obwohl der Konzern mit 129,1 Millionen Euro den höchsten Gewinn (Ebita) der Geschichte erwirtschaftet hat, fällt die Dividende mit zehn Cent pro Aktie fast 80 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Dass die Hauptversammlung diesen Beschluss mit einer Zustimmung von 99,96 Prozent abnickte, zeigt, dass die Aktionäre Werners These folgen, dass das Unternehmen ausreichend flüssige Mittel braucht, um bei einem Wiederanfahren der Konjunktur ausreichend beschleunigen zu können. Vorerst allerdings hat Praktiker sich Zurückhaltung verordnet. Die Investitionen werden auf das Nötigste begrenzt - die Expansion in Osteuropa läuft auf Sparflamme. Gleichzeitig hofft Werner, von der Krise profitieren zu können: "Der Rückzug ins Private ist eine verbreitete Krisenreaktion", sagte Werner. Praktiker müsse jetzt mit entsprechenden Marketing-Aktionen Anreize setzen, in die eigenen vier Wände zu investieren.Während es von Seiten der Aktionäre kaum Kritik an der Dividendenkürzung gab, waren es die verschiedenen Rabattaktionen, Eigendarstellung und Service, die die Anteilseigner bemängelten. So forderte Gerhard Roh von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, die Märkte attraktiver zu gestalten und so Zusatzkäufe zu generieren. Auch seien Frauen als neue Zielgruppe nicht zu unterschätzen. Werner führte darauf an, dass die Gartensparte genau dieser Entwicklung Rechnung trage und mit 21,3 Prozent Umsatzanteil und zweistelligen Wachstumsraten mittlerweile stärkster Sortimentsteil sei. Kleinaktionär Heinrich Jerrentrup aus Ottweiler kritisierte den - mittlerweile wieder von 80 auf fünf Märkte reduzierten - Einsatz von Kurzarbeit: "Wenn im Handel das Geschäft läuft, müssen Sie den Service verbessern, nicht verschlechtern." Meinung


Gutes Beispiel

Von SZ-RedakteurJoachim Wollschläger In guten Zeiten sollte man ein Polster für schlechte Zeiten anlegen. Das ist eine Kaufmannsweisheit, die in vielen Aktiengesellschaften nicht angekommen zu sein scheint. Trotz der Krise schütten diese mit hohen Dividenden ihre flüssigen Mittel aus, verweisen auf das gute vergangene Jahr, und wundern sich dann über Liquiditätsprobleme. All die, die behaupten, Aktionäre würden eine Dividendenkürzung bei hohen Gewinnen nicht mitmachen, straft Praktiker Lügen. Trotz eines Rekordjahrs haben Vorstand und Aufsichtsrat die Dividende um fast 80 Prozent gekürzt - und ernten 99,96 Prozent Zustimmung. Die Konzerne sollten den Realitätssinn der Aktionäre nicht unterschätzen.