| 00:00 Uhr

Porsche siegt in Milliardenstreit

Porsches Übernahmeversuch von VW kostete Anleger, die bei Kurswetten falsch getippt hatten, vor einigen Jahren viel Geld. Das verlangen Investoren inzwischen von der Porsche-Holding PSE zurück. Eine Schadensersatzforderung mehrerer Hedgefonds in Milliardenhöhe wies das Stuttgarter Oberlandesgericht gestern aber zurück. Fragen und Antworten dazu hat dpa-Mitarbeiterin Antonia Lange zusammengestellt.

Worum ging es?

Wegen des gescheiterten Übernahmeversuchs von Volkswagen im Jahr 2009 hat die Porsche Automobil Holding SE (Porsche SE/PSE) als Dachgesellschaft des Sport- und Geländewagenbauers diverse Rechtsstreitigkeiten am Hals. Auch im aktuellen Fall ging es um den spektakulären Wirtschaftskrimi: Mehrere Hedgefonds fühlten sich getäuscht und forderten Geld zurück, das sie damals an der Börse verloren haben. Insgesamt ging es um fast 1,2 Milliarden Euro.

Wie lautete die Begründung der Hedgefonds?

Im Mittelpunkt standen Pressemitteilungen aus dem Jahr 2008. Damals hatte die Holding zunächst bestritten, ihren Anteil am VW-Konzern auf 75 Prozent aufstocken zu wollen. Einige Monate später gab sie dann aber bekannt, genau diesen Plan zu verfolgen. Die Aktienkurse schossen nach oben. Anleger, die auf fallende Kurse gewettet hatten, verloren viel Geld. Sie warfen Porsche SE vor, die Öffentlichkeit über ihre wahren Absichten bewusst im Unklaren gelassen zu haben.

Wie begründete das Gericht sein Urteil?

Nach Ansicht des Gerichts hat Porsche keine "grob unrichtigen Auskünfte" gegeben. Die von den Fonds beanstandete Pressemitteilung der Porsche SE sei "allenfalls doppeldeutig gewesen". Ein Schädigungsvorsatz sei nicht feststellbar.

Welche Rechtsstreitigkeiten hat Porsche SE deswegen noch?

So einige - Schauplätze sind Braunschweig, Stuttgart, Hannover oder auch Frankfurt.

Gibt es schon andere Entscheidungen?

Im Zusammenhang mit dem Versuch der VW-Übernahme wurde Porsches früherer Finanzchef Holger Härter wegen Kreditbetrugs zu einer Geldstrafe verurteilt. Um Anleger, die sich falsch informiert fühlten, ging es dabei jedoch nicht. In Braunschweig hat die Porsche SE zudem zweimal vor Gericht gewonnen.

Was hat der Sportwagenbauer Porsche damit zu tun?

Der Sportwagenbauer hat mit den Klagen nicht direkt etwas zu tun. Die Vorwürfe richten sich gegen die Dachgesellschaft Porsche SE, zur Zeit der Übernahmeschlacht gehörte das operative Porsche-Geschäft aber noch zu dieser Holding. Neben der Porsche AG war die Holding damals schon an VW beteiligt. Um den Ausbau dieser VW-Beteiligung geht es im aktuellen Streit.

Wie ging die Geschichte damals aus?

Es lief für die Stuttgarter nicht nach Plan. Die Porsche SE verhob sich bei dem Versuch, sich die Macht bei VW zu sichern. Im August 2012 drehte Volkswagen den Spieß um und verleibte sich das Porsche-Geschäft, das bis dahin unter dem Dach der Porsche SE war, komplett ein.