| 16:30 Uhr

Zwillen, Pyrotechnik, Barrikaden
Polizei durchsucht Aktivistencamp im Hambacher Forst

Polizisten tragen einen Aktivisten zur Personalienfeststellung.
Polizisten tragen einen Aktivisten zur Personalienfeststellung. FOTO: dpa / Henning Kaiser
Nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen vom Wochenende suchte die Polizei nach Beweisen für kürzlich begangene Straftaten. 40 Personen erhielten einen Platzverweis, Pyrotechnik und Zwillen wurden sichergestellt.

Bei der Durchsuchung eines Aktivistencamps am Hambacher Wald hat die Polizei am Dienstag Pyrotechnik, Zwillen, Krähenfüße und Material für Brennsätze sichergestellt. Eingezogen wurde nach Angaben einer Polizeisprecherin auch Material, das für den Bau von Barrikaden geeignet ist. Bei der Durchsuchung auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurden mehrere Personen in Gewahrsam genommen. Rund 40 Personen des Camps erhielten vorübergehend einen Platzverweis.


Seit Tagen gibt es im und am Hambacher Wald immer wieder gewalttätige Konflikte und Angriffe auf Polizisten. Das Waldgebiet liegt im Südosten des Tagebaus Hambach und gilt als Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle. Der Konzern RWE plant ab Oktober Rodungsarbeiten für den Tagebau. Darüber war es in der frisch gegründeten Kohlekommission in Berlin zu einem offenen Streit gekommen.

Nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen vom Wochenende suche die Polizei nach Beweisen für kürzlich begangene Straftaten. Außerdem gehe es um Gegenstände, die zur Vorbereitung oder Durchführung von Straftaten geeignet sind, teilte die Polizei mit.



RWE riss nach eigenen Angaben Zäune und Bretterverschläge auf einem angrenzenden Grundstück ab, das im RWE-Eigentum ist. Dabei sei „geklautes Baumaterial“ gesichert worden, sagte ein RWE-Sprecher. „Wir reißen keine Behausungen ab“, sagte er.

Der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach begründete das massive Kräfte-Aufgebot mit einer Gewalteskalation innerhalb einer Woche. „Nachdem wir mit geringen Kräften nicht mehr ohne Gefahr für Leib und Leben der Kollegen in den Wald gehen können, ist jeder Einsatz ein großer - zwangsläufig“, sagte er in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Die Polizei gehe davon aus, dass sich die Besetzerszene im und am Hambacher Wald am dortigen Tagebau stark gewandelt habe durch neue Gruppen und Straftätern aus ganz Europa. Dadurch gebe es aktuell ein ganz anderes Gewaltpotenzial als noch vor Wochen.

Umweltschützer machen dagegen die Rodungspläne von RWE noch während der laufenden Gespräche über die Braunkohle in der Berliner Kommission für die Spannungen verantwortlich. Die Braunkohle kritische Bürgerinitiative Buirer für Buir erklärte, die aktuelle Eskalation könnte sogar zu einer Räumung der Baumhäuser im Hambacher Wald aus Sicherheitsgründen und damit zum Fällen vieler Bäume führen, damit die Polizei mit schweren Fahrzeugen überhaupt in den Wald käme. „Dann hätte RWE das Ziel erreicht und im Herzstück des Waldes würde bereits vor dem 1. Oktober gerodet“, sagte Sprecher Andreas Büttgen.

Bei der nächsten Sitzung des Kohlekommission am Mittwoch in Berlin wollten rund 150 Mitglieder der Energie-Gewerkschaft IG BCE gegen die gewalttätigen Konflikte demonstrieren, berichtet die „Rheinische Post“ (Dienstag). „Die Beschäftigten fühlen sich zunehmend bedroht und fürchten um Leib und Leben“, hieß es in einer Mitteilung der Gewerkschaft.

(ubg/dpa)