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Zweite Runde für Obama

Hunderttausende Amerikaner jubelten gestern vor dem Kapitol in Washington ihrem Präsidenten Barack Obama zu, nachdem dieser vor der Öffentlichkeit den Amtseid für seine zweite Amtszeit geleistet hatte. Foto: Chris Usher/dpa
Hunderttausende Amerikaner jubelten gestern vor dem Kapitol in Washington ihrem Präsidenten Barack Obama zu, nachdem dieser vor der Öffentlichkeit den Amtseid für seine zweite Amtszeit geleistet hatte. Foto: Chris Usher/dpa
Washington. Mit einem Aufruf zu Einheit und Gleichheit hat US-Präsident Barack Obama feierlich seine zweite Amtszeit eingeläutet. In der Antrittsrede auf den Stufen des Kapitols gestern mahnte Obama, dass das Land die großen Herausforderungen nur gemeinsam meistern könne

Washington. Mit einem Aufruf zu Einheit und Gleichheit hat US-Präsident Barack Obama feierlich seine zweite Amtszeit eingeläutet. In der Antrittsrede auf den Stufen des Kapitols gestern mahnte Obama, dass das Land die großen Herausforderungen nur gemeinsam meistern könne. Zuvor hatte der Präsident, dessen zweite Amtszeit offiziell eigentlich schon am Sonntag begonnen hatte, vor den Augen der Nation seinen Amtseid wiederholt.



Obama stimmte die Menschen auf schwierige Aufgaben in den kommenden Jahren ein. Die Wirtschaft müsse sich erholen, die soziale Sicherheit verbessert werden. Der Präsident rief auch zu einer Reform des Einwanderungsrechts, der Verbesserung des Bildungssystems und dem Kampf gegen den Klimawandel auf. "Mehr denn je müssen wir diese Dinge gemeinsam tun, als eine Nation und ein Volk", sagte er. "Wir können uns keine Verzögerungen leisten."

Obama forderte in der Rede, allen Menschen in den USA die gleichen Chancen zu gewähren. "Unsere Reise wird nicht vollendet sein, bis unsere schwulen Brüder und Schwestern rechtlich wie alle anderen behandelt werden", sagte er. "Unsere Reise wird nicht vollendet sein, bis wir einen besseren Weg finden, die aufstrebenden, hoffnungsfrohen Einwanderer willkommen zu heißen." Der Präsident erneuerte seinen Ruf nach mehr sozialer Gerechtigkeit. Die USA könnten nicht erfolgreich sein, "wenn es immer weniger Menschen sehr gut geht und eine wachsende Mehrheit kaum über die Runden kommt".

In der Außenpolitik kündigte Obama an, mit anderen Ländern zusammenarbeiten zu wollen. "Amerika wird der Anker von starken Bündnissen in jeder Ecke der Welt bleiben." Mit Blick auf den Abzug der US-Truppen aus dem Irak und dem endenden Afghanistan-Einsatz fügte er hinzu: "Nachhaltige Sicherheit und dauerhafter Frieden erfordern keinen immerwährenden Krieg."

Die Menschenmassen, die sich seit dem frühen Morgen zwischen dem Kapitol und dem Obelisken des Washington Monument unter strahlend blauem Himmel versammelt hatten, jubelten und schwenkten US-Flaggen. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt waren bis zu 800 000 Zuschauer auf die National Mall geströmt. Sicherheitskräfte kontrollierten die Straßen rund um das Kapitol, gepanzerte Fahrzeuge sperrten die Gegend für den Verkehr ab. Etwa 30 000 Polizisten und Soldaten der Nationalgarde waren im Einsatz.



Laut Verfassung der Vereinigten Staaten beginnt die Amtszeit des Präsidenten am 20. Januar um 12 Uhr. Weil das Datum in diesem Jahr aber auf einen Sonntag fiel, wurde die Zeremonie vor dem Kapitol auf den Montag verschoben. Nach der offiziellen Vereidigung im kleinen Kreis am Sonntag im Weißen Haus nahm der Vorsitzende Richter des Supreme Court, John Roberts, Obama den Schwur in aller Öffentlichkeit noch einmal ab.

Der Präsident legte den Amtseid auf zwei Bibeln ab. Ein Exemplar gehörte einst Präsident Abraham Lincoln, der von Obama sehr verehrt wird. Die andere Bibel stammt aus dem Besitz von Martin Luther King. Die Amtseinführung Obamas fiel mit dem nationalen Gedenktag für den 1968 ermordeten Bürgerrechtler zusammen. Auch US-Vizepräsident Joe Biden legte gestern seinen öffentlichen Eid für eine zweite Amtszeit ab. afp

Am Rande

Barack Obama hat sich nach seiner offiziellen Vereidigung am Sonntag ein Lob bei Tochter Sasha abgeholt. Nachdem er im Weißen Haus den Amtseid abgelegt hatte, umarmte die Elfjährige ihren Vater und sagte "Gut gemacht, Papa", wie dank eines Fernsehmikrofons zu hören war. "Ich hab's geschafft", antwortete Obama. Sasha entgegnete: "Du hast es nicht vermasselt." Dabei bezog sie sich offenbar auf den ersten Amtseid Obamas 2009, als er wegen eines Versprechers noch mal von vorne anfangen musste. Gestern aber verhaspelte sich Obama bei der öffentlichen Vereidigung erneut. Ausgerechnet beim Wort "Vereinigte Staaten" kam der Präsident ins Straucheln. afp