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Wie bekommt man den Arzt aufs Land?

Berlin. Es gibt so viele Ärzte in Deutschland wie noch nie. Doch sie sind ungleich verteilt: Zu viele Ärzte in der Stadt, zu wenige auf dem Land. Die Koalition will das nun mit einem Gesetz ändern. Agentur

Ärzte , zumal Fachärzte, lassen sich gerne in der Stadt nieder. Das belegen Studien. Inzwischen hat das aber zu einem Ungleichgewicht bei der medizinischen Versorgung zulasten der ländlichen Bevölkerung geführt. An diesem Ungleichgewicht hat sich auch nichts geändert, als vor einigen Jahren eine neue Bedarfsplanung eingeführt wurde, wonach die Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen die Verteilung der Arztpraxen festlegen sollen. Die Planung weicht weiterhin erheblich vom tatsächlichen Bedarf ab.

Die Gesundheitspolitiker der Koalition wollen nun die Niederlassungsbezirke per "Versorgungsstärkungsgesetz" kleiner und damit überschaubarer fassen, um den Ärztebedarf genauer erfassen zu können. SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach brachte Bezirke von 100 000 bis 300 000 Einwohnern ins Gespräch. Bisher gibt es nämlich durchaus Bezirke, die als überversorgt gelten, aber unterversorgte Teilgebiete haben.

Bestes Beispiel ist Berlin . Die Metropole mit 3,5 Millionen Einwohnern zählt bisher als ein Bezirk, der grundsätzlich überversorgt ist. Dabei ist klar, dass das im westlichen Stadtteil Dahlem anders aussieht als möglicherweise im östlichen Stadtteil Hellersdorf. Mit der Neueinteilung würde Berlin nun in bis zu 15 kleinere Bezirke aufgegliedert.

Doch mit einer besseren Bedarfsplanung ist es noch nicht getan. Wie bekommt man vor allem jüngere Ärzte dazu, sich auf dem unterversorgten Land niederzulassen? Zunächst gibt es finanzielle Anreize. Nach dem Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU ) wird es den Kassenärztlichen Vereinigungen ermöglicht, über Strukturfonds Praxis-Neueröffnungen oder besonders gefragte Leistungen zu bezuschussen. Was möglicherweise auch ein nicht zu unterschätzender Anreiz für junge Ärzte sein könnte, aufs Land zu gehen, ist die Möglichkeit, nach fünf Jahren auf dem Land eine freiwerdende Praxis in einem grundsätzlich überversorgten Gebiet kaufen zu können. Die Politik hofft auf den sogenannten Klebeeffekt, dass der junge Arzt sich also dort einlebt und bleibt.

Zudem ist geplant, dass die regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen Terminservicestellen einrichten. Diese sollen wenn nötig, Versicherten mit einer Überweisung innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt vermitteln. Sollte das nicht möglich sein, kann der Patient ein Krankenhaus aufsuchen. Entsprechend gehen die Mittel aus dem Honorartopf der niedergelassenen Ärzte an die Kliniken. Das darf durchaus als Druckmittel verstanden werden.