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Vormarsch auf Timbuktu

Französischer Militärtransport in Mali - die Truppen haben mehrere Städte erobert. Foto: dpa
Französischer Militärtransport in Mali - die Truppen haben mehrere Städte erobert. Foto: dpa
Bamako. Malische und französische Truppen haben eigenen Angaben zufolge die historische Wüstenstadt von den Rebellen zurückerobert. Das teilte gestern ein Armeesprecher mit. Bereits am Morgen hatten malische Medien berichtet, islamistische Extremisten seien auf der Flucht aus Timbuktu. Der Sprecher sagte auch, dass die Islamisten-Hauptstadt Gao nun ganz unter der Kontrolle der Armee sei

Bamako. Malische und französische Truppen haben eigenen Angaben zufolge die historische Wüstenstadt von den Rebellen zurückerobert. Das teilte gestern ein Armeesprecher mit. Bereits am Morgen hatten malische Medien berichtet, islamistische Extremisten seien auf der Flucht aus Timbuktu. Der Sprecher sagte auch, dass die Islamisten-Hauptstadt Gao nun ganz unter der Kontrolle der Armee sei. Die Truppen hatten am Samstag den Flughafen und eine wichtige Brücke über den Niger besetzt.


Im Rahmen der Besetzung hatten die islamistischen Rebellen zahlreiche Heiligtümer in Timbuktu zerstört. Die dort vorhandenen Heiligengräber und Moscheen zählen seit 1988 zum Weltkulturerbe. Seit dem Sommer haben die islamistischen Kämpfer mehrere Mausoleen niedergerissen. Im Dezember hatte die Islamistengruppe Ansar Dine angekündigt, alle noch verbliebenen Heiligtümer zu zerstören. Ihrer Ansicht nach verstößt die Heiligenverehrung gegen den Islam, der nur die Verehrung Allahs zulässt. Wie groß die Schäden aktuell sind, ist noch ungeklärt.

Aus Timbuktu geflüchtete Einwohner reagierten erfreut auf die Nachricht vom Vorrücken der Soldaten. "Wir haben das Gefühl, dass wir bald befreit werden", sagte der 67-Jährige Sidi Touré. Der Student Amadou Alassane Mega schilderte das grausame Vorgehen der Islamisten. Diese hätten Menschen die Hände abgehackt, die sie des Diebstahls verdächtigten, sagte er. Wer Musik hörte oder rauchte, sei verprügelt worden.



Die französische Luftwaffe bombardierte auch Stellungen radikalislamischer Rebellen in der Region Kidal im Nordosten Malis. Dabei sei das Haus des Chefs der islamistischen Gruppe Ansar Dine, Iyad Ag Ghaly, in der Stadt Kidal zerstört worden, teilten malische Sicherheitskräfte gestern mit. Einwohner der Region bestätigten die Angaben. Ghaly soll den Sicherheitskräften zufolge geflohen sein.

Unterdessen hat die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas beschlossen, ihr Truppenkontingent zur Unterstützung der malischen Armee von ursprünglich 3300 Mann auf 7700 Soldaten aufzustocken. Bisher sind erst knapp 1750 Soldaten der westafrikanischen Nachbarn in Mali eingetroffen, um sich an der multinationalen Eingreiftruppe zu beteiligen. Die meisten Soldaten stellen mit je 550 die Länder Tschad und Niger.

Gao, Kidal und Timbuktu gelten als die wichtigsten Städte des Nordens. Den Angriff auf Timbuktu haben die Truppen offenbar bereits seit Tagen vorbereitet. Islamistengruppen hatten die Region erobert, nachdem im Zuge eines Militärputsches in der Hauptstadt Bamako im März 2012 im ganzen Land ein Machtvakuum entstanden war. Der Ministerrat in der Hauptstadt Bamako einigte sich am Wochenende auf einen Plan zur Wiederherstellung von Malis territorialer Integrität und zur Organisation freier und fairer Wahlen. Das teilte das Präsidialamt mit. Nun muss das Parlament dem Dokument zustimmen.

Die Europäische Union beginnt Mitte Februar mit der Entsendung von Militärausbildern nach Mali, wie ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel sagte. Diplomaten nannten den 12. Februar als Starttermin. Die EU hatte Mitte Januar beschlossen, 200 bis 250 Militärausbilder nach Bamako zu schicken, um Malis Armee im Kampf gegen die Islamisten zu unterstützen. Mit Kampftruppen will sich die EU nicht am französisch-afrikanischen Militäreinsatz beteiligen.

Deutschland will die afrikanischen Truppen mit Lastwagen, Uniformen und Stiefeln ausrüsten. Das habe Bundeskanzlerin Angela Merkel dem französischen Präsidenten François Hollande vergangene Woche zugesichert, berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf die Bundesregierung. Deutschland stellt bereits zwei Transportflugzeuge zur Verfügung, die Soldaten der Interventionstruppe nach Bamako bringen sollen. afp/dpa

Französischer Militärtransport in Mali - die Truppen haben mehrere Städte erobert. Foto: dpa
Französischer Militärtransport in Mali - die Truppen haben mehrere Städte erobert. Foto: dpa