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Debatte um neuen MP Tobias Hans
Wissenschaftsminister ohne Uni-Abschluss

Tobias Hans (CDU) verweist im Lebenslauf auf ein Studium, das er abgebrochen hat.
Tobias Hans (CDU) verweist im Lebenslauf auf ein Studium, das er abgebrochen hat. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger
Saarbrücken. Als Ministerpräsident übernimmt Tobias Hans die Zuständigkeit für die Saar-Hochschulen. „Ungewöhnlich“, sagt der Hochschulverband. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Saarbrücken Man muss keinen Universitäts-Abschluss vorweisen können, um ein Bundesland zu regieren. Horst Seehofer in Bayern hat keinen, Bodo Ramelow in Thüringen und Michael Müller in Berlin auch nicht. Insofern ist es nichts Ungewöhnliches, wenn der saarländische Landtag am Donnerstag einen Studienabbrecher zum Ministerpräsidenten wählen wird.Tobias Hans aber wird von Annegret Kramp-Karrenbauer auch die Leitung des Wissenschaftsressorts übernehmen. Womit sich die Frage stellt: Ein für Wissenschaftler und Studenten verantwortlicher Minister ohne Studienabschluss, geht das?


Bisher gibt es das nur im Land Berlin. Es sei „ungewöhnlich“, heißt es beim Deutschen Hochschulverband, der die Interessen von 30 000 Hochschullehrern vertritt. „Aber Wissenschaftsminister ist ein politisches Amt, das nicht zwangsläufig eine fachliche Qualifikation voraussetzt.“ Das sehen nicht alle so: Die FDP ist der Ansicht, dass ein Wissenschaftsminister sehr wohl einen akademischen Abschluss haben sollte. Landeschef Oliver Luksic forderte Hans deshalb auf, auf diesen Posten zu verzichten.

Es stellt sich die Frage, was ein Minister eigentlich können muss. Man muss kein Lehrer sein, um Bildungsminister zu werden. Einer der erfolgreichsten Bildungsminister des Saarlandes, Werner Scherer, hatte nicht einmal studiert. Ebenso wenig muss man Arzt sein, um Gesundheitsminister zu werden. Quereinsteiger haben manchmal den besseren Blick auf Probleme.

Fachwissen ist für Fachminister daher nicht das Entscheidende, dafür haben sie bestens qualifizierte Beamte; auch in der saarländischen Ministerialbürokratie gibt es unter den Referats- und Abteilungsleitern echte Koryphäen. Minister müssen stattdessen eine große Zahl von Mitarbeitern führen können. Ob das bei Hans nach zwei Jahren an der Spitze der CDU-Landtagsfraktion der Fall ist, muss man abwarten. Und Minister müssen vor allem in der Lage sein, sich politisch – in der eigenen Partei, in der Koalition, im Kabinett – durchzusetzen und mögliche Fallstricke frühzeitig zu erkennen. So etwas muss man lernen. Dass fachlich bestens qualifizierte Seiteneinsteiger in der Politik in schöner Regelmäßigkeit scheitern, hat ja seinen Grund.

Zurück zu Tobias Hans. Dass er sein Studium abgebrochen hat, leugnet er nicht. In seinem Lebenslauf wird dies aber verschleiert. Dort heißt es: „Studium der Informationswissenschaft, Wirtschaftsinformatik und Anglistik an der Universität des Saarlandes“ (ohne Jahresangabe). Auch gab er bei einer Landtagswahl einmal als Beruf „Informationswissenschaftler“ an. Mit dieser Intransparenz hat sich Hans angreifbar gemacht.



Hans, Jahrgang 1978, begann nach Abitur und Zivildienst im Jahr 1998 mit dem Studium. Laut seinem Lebenslauf war er von 1998 bis 2005 „wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Psychosomatischen Fachklinik“ in seinem Heimatort Münchwies. Auf Nachfrage relativierte eine Sprecherin der CDU-Fraktion, Hans sei dort „studentischer wissenschaftlicher Mitarbeiter“ gewesen.

2006 bekam Hans – nach wie vor Student und vielfältig in JU und CDU engagiert – einen Job bei der CDU-Landtagsfraktion. Im gleichen Jahr brach er das Studium, nach acht Jahren, ab. Anfang 2007 stieg er als persönlicher Referent von Arbeitsminister Josef Hecken (CDU) ein. Gut zwei Jahre später, 2009, wurde Hans im Alter von 31 Jahren in den Landtag gewählt.

Für alle Politiker sollte gelten: Eine solide akademische oder auch nicht-akademische Ausbildung eröffnet berufliche Alternativen außerhalb der Politik. Wer diese Alternative nicht hat, ist auf Dauer abhängig von seiner Partei – und wird sich im Parlament entsprechend verhalten.