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Neue EU-Verordnung
Wie Pommes in Zukunft ein wenig gesünder werden sollen

Am 11. April tritt die neue Verordnung der Europäischen Union zum Schutz der Verbraucher in Kraft, um den umstrittenen Stoff Acrylamid in Pommes Frites und anderen Lebensmitteln weiter zu reduzieren.
Am 11. April tritt die neue Verordnung der Europäischen Union zum Schutz der Verbraucher in Kraft, um den umstrittenen Stoff Acrylamid in Pommes Frites und anderen Lebensmitteln weiter zu reduzieren. FOTO: dpa / Ina Fassbender
Brüssel. Eine neue EU-Verordnung soll für weniger Acrylamid in Lebensmitteln sorgen. Der Stoff gilt als krebserregend und entsteht etwa beim Braten und Frittieren.

Wirklich gesund werden Pommes wohl nie – aber die EU-Kommission will sie zumindest ein Stück weit gesünder machen: Ab heute gilt in der Europäischen Union eine neue Verordnung, die das als krebserregend geltende Acrylamid in Lebensmitteln verringern soll. Was genau bedeutet das für den nächsten Einkauf? Die wichtigsten Fragen und Antworten:


Was ist Acrylamid?

Acrylamid entsteht beim Backen, Braten, Frittieren und Rösten bei hohen Temperaturen über 120 Grad Celsius und vor allem dann, wenn der Stärkegehalt der Lebensmittel besonders hoch ist. Denn der da­rin enthaltene Zucker geht beim Erhitzen mit der ebenfalls enthaltenen Aminosäure Asparagin eine giftige Liaison ein – zu Acrylamid. Doch erst ab 150 Grad entstehen die beliebten Röstaromen. Es ist nachgewiesen, dass Acrylamid ab 170 Grad sogar sprunghaft in den Lebensmitteln ansteigt. Der Prozess wird noch begünstigt, wenn das Produkt wenig Feuchtigkeit enthält.



Welche Produkte enthalten Acrylamid?

Der krebserregende Stoff kommt besonders in Chips, Pommes, Bratkartoffeln oder Kroketten vor. Aber auch Getreideprodukte wie Kekse, Kräcker, Toast- und Knäckebrot oder geröstete Frühstücksflocken können Acrylamid beinhalten. Selbst in Nüssen und in Gebäck konnte der Stoff bereits nachgewiesen werden. Auch Kaffee enthält den krebserregenden Stoff – bei Robusta-Bohnen liegt der Acrylamidgehalt sogar höher als bei den Arabica-Bohnen.

Wie gefährlich ist Acrylamid wirklich?

Ein Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im vergangenen Jahr bestätigt, dass Acrylamid in Lebensmitteln das Krebsrisiko für Verbraucher aller Altersgruppen  erhöht. Bei der Aufnahme von Acrylamid entsteht das Stoffwechselprodukt Glycidamid, das als wahrscheinlichste Ursache der in Tierversuchen beobachteten Genmutationen und Tumoren gilt. Eine Höchstmenge oder ein Grenzwert, bis zu denen Acrylamid bedenkenlos konsumiert werden kann, lässt sich nicht festlegen. Grundsätzlich gilt nach Auffassung von Wissenschaftlern jedoch: Je mehr Acrylamid in den menschlichen Organismus gelangt, desto höher ist das Risiko.

Was genau schreibt die EU-Verordnung denn nun vor?

Die EU hat lediglich Richtwerte vorgegeben, keine Obergrenzen. Hersteller von Pommes, Chips, Keksen und Brot sind jedoch zu einer möglichst schonenden Zubereitung verpflichtet. So müssen etwa Pommes-Produzenten künftig stärkeärmere Sorten verwenden, die somit einen niedrigen Zuckergehalt aufweisen – zudem dürfen die Sorten nicht zu trocken sein. Liegt die Temperatur über 168 Grad Celsius, müssen die Hersteller nachweisen, dass die je nach Produkt unterschiedlichen Acrylamid-Richtwerte dennoch eingehalten werden.

Wieso gibt es keinen einheitlichen Grenzwert?

Bestimmte Lebensmittel wie etwa Brot werden in den einzelnen Mitgliedsstaaten sehr unterschiedlich hergestellt, so dass der Gehalt von Acrylamid stark schwanken kann. Zum Teil liegen die europäischen Richtwerte deshalb deutlich über den zuletzt 2010 ermittelten nationalen Werten.

Wer überprüft, ob die schonende Zubereitung durch Bäcker und Pommesbuden eingehalten wird?

Solche Kontrollen sollen die örtlichen Lebensmittelüberwachungsbehörden übernehmen. Wenn sich Unternehmen nicht an die Regeln halten, können ihre Produkte vom Markt genommen werden.

Was kann ich selbst tun, um Acrylamid zu vermeiden?

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Pommes nicht länger als dreieinhalb Minuten zu frittieren und die Fritteuse maximal auf 175 Grad Celsius einzustellen. Bei Gebäck und Kuchen können geringere Temperaturen, dafür aber eine etwas längere Backzeit helfen.