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Der Film „Lenchen Demuth“
Wie ein saarländisches Hausmädchen Geschichte schrieb

Alice Hoffmann beim Dreh zu „Lenchen Demuth und Karl Marx“.
Alice Hoffmann beim Dreh zu „Lenchen Demuth und Karl Marx“. FOTO: Klaus Gietinger
Saarbrücken. Der sehenswerte Film „Lenchen Demuth und Karl Marx“ läuft heute Abend beim SR. Von Tobias Kessler
Tobias Kessler

Schach mit Karl Marx hatte seine Tücken – denn der Vordenker des Kommunismus  verlor nicht gern. Also ließ sein Dienstmädchen Lenchen Demuth ihm gerne den Sieg, „sonst iss er nidd so gut gelaunt“: So erzählt es jedenfalls Alice Hoffmann in ihrer Rolle in „Lenchen Demuth und Karl Marx“, Klaus Gietingers sehr lebendigem, oft witzigem Film über die St. Wendelerin Helena Demuth (1820-1890). Sie war Dienstmädchen erst bei Karl Marx, dann bei Friedrich Engels und somit mittendrin in den Geburtswehen des Kommunismus, der als Theorie zwingend war, nur eben in der Praxis bisher nicht recht funktionieren will. Oder wie es Hoffmann als Demuth in St. Wendeler Sprachfärbung sagt: „Schad’, dass das alles so in die Hos’ gang is.“


Regisseur und Autor Gietinger (Idee und Mitarbeit: Uschi Schmidt-Lenhard) begibt sich auf eine dreiviertelstündige Spurensuche und auch auf eine Reise: In Demuths Geburtsort St. Wendel beginnt sie; im Pfarrarchiv und im Stadtarchiv erfährt man von der Armut ihrer Familie, unter der Lenchens Schulbildung litt – wer zu Hause mit anpacken muss, kann nicht immer zur Schule. Nach Trier geht es, wo Demuth Dienstmädchen für die Familie Marx wird, mit ihr nach Paris geht, nach Köln, zurück nach Paris und dann ins Londoner Exil. Dort ist das Leben von katastrophaler Ärmlichkeit, Demuth kocht mit dem wenigen, was es gibt, und „de Karl“ schreibt. Aber nicht nur – denn als seine Frau auf Reisen ist, um bei Verwandten Geld für die Familie aufzutreiben, wird Lenchen Demuth von Marx schwanger. Das Kind? Es kommt zu einer Pflegemutter – wird später aber wieder auftauchen. Als Marx 1883 stirbt, organisiert sie fortan den Haushalt von Friedrich Engels – und ordnet den Nachlass von Karl Marx.

Von einem prallen, oft schwierigen Leben erzählt der Film in einer sehr reizvollen Mischung: In Spielszenen sprechen Alice Hoffmann als ältere Demuth und Iris Reinhardt Hassenzahl als jüngere direkt in die Kamera (Marx sieht man nur unscharf oder von hinten), Biografinnen und St. Wendeler Verwandte erzählen, der Film verbindet gekonnt persönliche Historie mit Weltgeschichte – ein Vergnügen.



Heute Abend läuft der Film um 20.15 Uhr im SR, dann noch einmal am 13. Mai um 10.50 Uhr im SWR.