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Atomkraftwerke
Wie Cattenom seinen Gegnern trotzt

Cattenom. Ungeachtet der Gefahr für die Umwelt ist eine Laufzeit bis 2048 im AKW Cattenom mehr als wahrscheinlich. Von Fatima Abbas
Fatima Abbas

() Nur zwölf Kilometer trennen das Saarland von Cattenom. Dem Ort, an dem ein weiteres Atomkraftwerk steht, über das seit Jahren diskutiert wird. Und das nicht ohne Grund: Der drittgrößte Meiler Frankreichs entspricht laut einem gestern vorgestellten Gutachten des Darmstädter Öko-Instituts nicht den europäischen Sicherheitsstandards. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium spricht von einem „hohen Risiko für die gesamte Region“. Doch wie kommt es dazu?


In Cattenom stehen nach Angaben des Betreibers EDF vier Reaktoren mit jeweils 1300 Megawatt Leistung. Sie gingen jeweils 1986, 1987, 1990 und 1991 ans Netz. Im vergangenen Jahr wurden allein in Cattenom zehn Prozent des gesamten französischen Atomstroms produziert. Im Umkreis von 50 Kilometern um den Meiler wohnen rund 1,5 Millionen Menschen. Seit Bestehen des Atomkraftwerks soll es in den Blöcken insgesamt mehr als 800 meldepflichtige Ereignisse gegeben haben.

Dennoch kündigte die EDF vor einigen Wochen an, eine Laufzeitverlängerung über die ursprünglich geplanten 40 Jahre hinaus anzustreben. Auch für Reaktorblock 2, der im Mai generalüberholt werden soll, wollen die Betreiber die Laufzeit auf 2048 hochschrauben. „Unser Ziel sind ganz klar die 60 Jahre in Betrieb“, kündigte Yannick Simonet, stellvertretender Leiter am Standort Cattenom, bei einer Pressekonferenz im März an.



EDF investiert in ganz Frankreich bis 2025 rund 50 Milliarden Euro, um die Meiler über die 40-jährige Laufzeit zu bringen. Dazu müssen die vier Reaktoren in Cattenom jeweils alle zehn Jahre die Prüfungen der Behörde für nukleare Sicherheit (ASN) bestehen. Bisher war dies der Fall.

Das Saarland, Rheinland-Pfalz und Luxemburg fordern indes seit Jahren eine Stilllegung. Die könnte sich mit der Reaktion auf das neue sicherheitstechnische Gutachten auf unabsehbare Zeit verzögern: Denn das Saarland und Rheinland-Pfalz werden, wie gestern bekannt wurde, wegen der geringen Erfolgsaussichten auf eine Klage gegen Cattenom verzichten. Der Kampf gegen die Laufzeitverlängerung gehe jedoch weiter, sagten die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) und der saarländische Umweltstaatssekretär Roland Krämer (SPD). Auch Grünen-Landeschef Markus Tressel sprach sich gestern erneut gegen eine Laufzeit bis 2048 aus.