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"Web 3D": Die Welt zieht um ins Internet

Saarbrücken. "Intel inside", der alte Werbeslogan des Computerkonzerns, kommt an der Universität des Saarlands zu neuen Ehren Von SZ-Redakteur Peter Bylda

Saarbrücken. "Intel inside", der alte Werbeslogan des Computerkonzerns, kommt an der Universität des Saarlands zu neuen Ehren. Zwölf Millionen Dollar (über neun Millionen Euro) investiert das US-Unternehmen auf dem Saarbrücker Campus in sein "Intel Visual Computing Institute", eine Einrichtung, die das Unternehmen als die größte jemals mit einer europäischen Hochschule geschlossene Forschungskooperation beschreibt.



Ein Dutzend Wissenschaftler wird ab diesem Jahr - mehr als 60 Informatiker sollen es im Jahr 2014 sein - ein Forschungsgebiet bearbeiten, das dem Computerlaien nicht nur wegen seines englischen Titels ein wenig nebulös erscheint: "Visual Computing" erscheint gleichwohl dem US-Konzern als eines der wichtigsten Forschungsgebiete der Informatik.

Das Forschungszentrum, das Intel durchaus auch im eigenen Interesse auf dem Saarbrücker Campus platziert hat, so Ministerpräsident Peter Müller in seiner Festansprache, soll Grundlagen einer Technik erarbeiten, die die virtuelle Welt des PC der Wirklichkeit zum Verwechseln ähnlich machen soll. Entwickelt werden Verfahren, die physikalische Effekte - Reflexionen durch die Oberflächenbeschaffenheit von Gegenständen, tropfendes Wasser oder Feuer - per PC völlig real erscheinen lassen.

"Visual Computing", so Intel-Vizepräsident Justin Rattner, reiche aber weit über die Computergrafik hinaus. PC-Darstellungen, so das weiter gesteckte Ziel, sollen aussehen und sich verhalten wie ihre natürlichen Vorbilder. In letzter Konsequenz soll "Visual Computing" sogar Ergebnisse zum Anfassen hervorbringen.

Wesentliche Anwendungen der neuen Technik sieht der Intel-Forschungschef in der Medizin, wo 3-D-Darstellungen zum Beispiel aus Computertomographen immer wichtiger werden. Aber auch in der Forschung, etwa beim Thema Klima, in den Ingenieurwissenschaften, zum Beispiel beim Entwurf der Aerodynamik eines Formel-1-Renners, gebe es zahlreiche Anwendungen, in denen ohne "Visual Computing" - gemeint ist hier die bildhafte Darstellung hochkomplexer Daten - nichts mehr geht, so Intel-Experten bei der Eröffnung des neuen Instituts.



Ein Schwerpunkt der Arbeit des Instituts werden 3D-Anwendungen sein, zum Beispiel fürs Internet, führten gestern Saarbrücker Informatiker bei einer Ausstellung der Aula der Uni vor. Ein Beispiel war das Projekt "Stadtmitte am Fluss", das die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz vorstellte. Derartige 3-D-Abbildungen, so Michael Wand vom Max-Planck-Institut für Informatik, stellen gewaltige Anforderungen an die Speicherkapazität und die Rechenleistung eines Computers. Ziel der Entwicklung sei die zentimetergenaue Darstellung unserer Welt in digitalen 3-D-Modellen. Allein die 3-D-Grafik eines mittleren Marktplatzes belege bereits den Inhalt einer kompletten Festplatte.

Die Bild-Informatik ist damit aber auch eine Herausforderung für die Technik, die diese Informationen übertragen soll. Denn diese 3-D-Anwendungen, so Intel-Forschungschef Rattner, sollen in den nächsten Jahren überall und jederzeit per Internet verfügbar sein. Die Lösung der damit verbundenen Probleme fällt ebenfalls ins Aufgabengebiet der Forscher des "Visual Computing". Sie wurden gestern bei der offiziellen Auftaktveranstaltung von den Festrednern mit Vorschusslorbeeren überhäuft. Die Gründung des Instituts sei ein Beweis für die exzellente Qualität des Forschungsumfeldes im Saarland, so Ministerpräsident Peter Müller.

Das "Intel Visual Computing Institute" wird von den Saarbrücker Professoren Thorsten Herfet und Philipp Slusallek geleitet. Die Computerforscher werden zunächst in Neubauten der Saar-Universität und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) untergebracht. Universitätspräsident Professor Volker Linneweber kündigte gestern am Rand der Einweihungsfeier jedoch an, dass bei einem positiven Zwischengutachten zur Arbeit des Instituts, das in drei bis vier Jahren erwartet wird, ein Neubau auf dem Campus geplant ist.

Hintergrund

Partner des neuen Intel Visual Computing Institutes sind neben dem Computerkonzern Intel und der Saar-Uni auch die beiden Institute der Max-Planck-Gesellschaft auf dem Campus in Saarbrücken. Das Max-Planck-Institut für Informatik besteht seit 1990. Das Institut für Softwaresysteme wurde 2004 eingerichtet. Auch das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz gehört zu den Gründern. Es ist eine eigene GmbH mit Einrichtungen in Kaiserslautern und Bremen. byl