| 20:37 Uhr

Was vom „Terror“ übrig blieb . . .

Die Innenstadt von Saarbrücken ist am Sonntag (7.8.2016) über Stunden wegen eines Großeinsatzes der Polizei abgeriegelt gewesen.Location:Saarbrücken
Die Innenstadt von Saarbrücken ist am Sonntag (7.8.2016) über Stunden wegen eines Großeinsatzes der Polizei abgeriegelt gewesen.Location:Saarbrücken FOTO: bub
Saarbrücken. Nach dem SEK-Einsatz in Saarbrücken vom Sonntag schlagen die Wellen hoch wegen unqualifizierter Stimmungsmache in den Medien. Doch auch die Polizei selber will aus der Sache lernen – und künftig im Netz präsenter sein. Pascal Becher (SZ),der Agentur dpa

In Windeseile war die Nachricht im Netz - und damit in der Welt. Sensationsmedien berichteten über eine "Bedrohungslage", einem "Gewaltakt", von "Terror" mitten im Herzen Saarbrückens. Und von einem "blutüberströmten" Mann, der bewaffnet in ein Restaurant gestürmt sei. Bilder von den gesperrten Straßen und SEK-Beamten sorgten für weitere Dramatik.



Klar, dass die Telefone der Landespolizei nicht mehr stillstanden. Sie bekam sogar Anrufe aus Japan, Russland und England. Die Beamten versuchten, einer Panik entgegenzutreten, erklärten wieder und wieder, dass eine "unbestimmte Gefahrenlage" bestehe, dass sie Meldungen von Zeugen über eine Waffe weder bestätigen noch widerlegen könnten.

"Die Niederträchtigkeit, mit der manche Medien mit der Angst der Menschen Auflage machen, ist erschütternd", sagt Georg Himbert , Sprecher des Landespolizeipräsidiums, am Tag danach. Seine Wut ist noch immer nicht verraucht. Zugleich ist Himbert auch erschrocken angesichts der Wellen, die die Meldung vom SEK-Einsatz in "so kurzer Zeit" in den sozialen Medien schlug. Zuschauer der Live-Bilder vom Einsatz, die stundenlang über die Facebook-Seiten einiger Medien ruckelten, spekulierten wild. Von möglichen Geiseln war da die Rede, von einem Täter, der womöglich einer "von denen" sei, die Kanzlerin Angela Merkel ins Land geholt habe. Und von "Isis". Manche forderten die Polizei auf, in das Restaurant zu marschieren und die "Sache" zu beenden. Auch wenn längst nicht alle Kommentare ernst gemeint waren, schürten sie doch Emotionen. Die Landespolizei warnte gestern die Kommentatoren: Wer bewusst Falschinformationen im Netz streut, kann sich strafbar machen, so Himbert - "und das werden wir dann auch verfolgen".

Am Ende müssen die Verursacher falscher Amok-Meldungen und Bomben-Drohungen zusätzlich mit empfindlichen finanziellen Konsequenzen rechnen. Die Kosten der Einsätze variieren von Bundesland zu Bundesland. In Bayern, Baden-Württemberg und auch im Saarland sind sie besonders teuer, wie eine dpa-Umfrage zeigt. In München beispielsweise sollen Trittbrettfahrern, die mit solchen Posts in sozialen Netzwerken Einsätze auslösen, pro eingesetztem Beamten und Stunde jeweils 54 Euro in Rechnung gestellt werden. Komme ein Hubschrauber zum Einsatz, würden 1700 Euro pro Stunde fällig.

Hierzulande liegt die Grundgebühr fürs sinnlose Ausrücken der Beamten zwar nur bei 29 Euro. Dazu kommen aber noch die Kosten für die Beamten. Ein Polizist wird pro Stunde mit etwa 59 Euro berechnet. Hinzu kommt ein Kilometergeld von 0,36 Euro. Das Land stelle dem Verursacher sämtliche Kosten in Rechnung, erklärt das Saar-Innenministerium auf Anfrage. Manche Länder wie Niedersachsen "deckeln" die Preise - auf 10 000 Euro.



Gegen sensationslüsterne Medien hilft all das aber kaum. Hier habe die Polizei im Saarland andere Lehren aus dem Sonntag in Saarbrücken gezogen, sagt Himbert. "Falls es noch einmal zu einem solchen Einsatz kommen sollte, wollen wir künftig stärker über die sozialen Medien kommunizieren." Den Hype in den sozialen Netzwerken hätten die Beamten so nicht richtig wahrgenommen. "Wir lernen noch", sagt der Sprecher. Die Saar-Polizei habe erst seit einigen Wochen einen Facebook-Account. Ende September soll Twitter dazukommen.