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US-Generalkonsul Herman
Warum Trumps Tweets nicht alles sind

US-Generalkonsul James Herman ist sich sicher: Trump wird eine „traditionelle republikanische Politik machen“.
US-Generalkonsul James Herman ist sich sicher: Trump wird eine „traditionelle republikanische Politik machen“. FOTO: Robby Lorenz
Saarbrücken. US-Generalkonsul Herman wirbt im SZ-Gespräch für eine beständige US-Politik und den noch unerfahrenen Präsidenten. Von Pascal Becher

Nein, von Business-Outfit hält James W. Herman, kurz „Jim“ genannt, nicht viel. Lässig in orangem Hemd und Surferkette aus seiner hawaiianischen Heimat sitzt der wahrscheinlich einflussreichste und unkonventionellste Generalkonsul der Welt im Konferenzraum der Saarbrücker Zeitung. Seine Botschaft, die der US-Amerikaner samt unzähligen Lachern mitgebracht hat, soll ebenfalls für Entspannung sorgen: Ein Präsident und seine Tweets gefährden die tiefen und langjährigen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA überhaupt nicht. Gerade die wirtschaftlichen nicht – „die sind fantastisch.“


Und doch sind es die Tweets, warum der Karrierediplomat, der seit 2015 als Konsul im Amt ist, die US-Politik derzeit genauer erklären muss. Wohl auch deshalb gibt es hier mal eine Spitze in Richtung seines Bosses: „Ich beneide den Präsidenten, dass er seine Gedanken in Tweets unterbringen kann. Als Diplomat fällt es mir schwer, mit nur 140 Zeichen zu kommunizieren“, sagt er über Donald Trump – den „ersten Twitter-Präsidenten der Vereinigten Staaten“. Ihm folgt er übrigens nicht im Netzwerk („Ich folge niemandem“).

Im realen Leben „folgt“ der Generalkonsul aber seinem Präsidenten. Das zeigt das Gespräch in der Redaktion. Herman gibt sich als loyaler Diplomat. Sein Auftrag lautet deshalb: In Deutschland auf Imagekampagne für einen US-Präsidenten zu gehen, der „die besten Deals“ für sein Land (so Herman) machen will. „Er ist unglaublich gut in Eins-zu-eins-Gesprächen“, sagt der Konsul. Trump sei ein „Business man“ und „talentierter Verkäufer“. Aber macht ihn das gleich zu einem Top-Politiker? „Er kann große Unternehmen leiten. Keine schlechte Sache für einen US-Präsidenten.“ Das heißt aber auch: Trump fehlt die Erfahrung. Das räumt Herman ein, findet aber: „Jeder Präsident hat eine Lernkurve. Auch Barack Obama brauchte länger als sechs Monate, den Job zu beherrschen.“ Dabei ist der Generalkonsul sicher: „Trump wird eine traditionelle republikanische Politik machen.“ Er habe sich viele fähige Berater in sein Team geholt, die bereits in der Bush-Administration aktiv waren. Und „seine Basis liebt ihn“.



Aber es gibt Zweifel daran, dass der Präsident, anders als seine Vorgänger, nicht auf internationale Bündnisse steht. Beispielsweise die Nato. „Meine Bitte: Schauen Sie auf das, was die USA tatsächlich machen, und nicht nur auf das, was gesagt wird.“ Gesagt hat Trump, dass er das Verteidigungsbündnis in Frage stellt, weil ihm die anderen Partner – einschließlich Deutschland – zu wenig beitragen. „Die USA wollen aber weiter viel, viel Geld in die Nato stecken.“ Zudem plane das Militär, Flugzeuge von England in die Pfalz  zu verlegen, so Herman. Zusätzlich soll eine neue Schule in der Basis von Spangdahlem für 300 Millionen Dollar gebaut und das Flugfeld in Ramstein mit „großem finanziellen Aufwand“ erweitert werden. „Das zeigt doch, wie sehr wir auf Deutschland setzen.“ Aber genau das macht den Menschen hier Sorgen. Denn sie wissen nicht, was in Ramstein oder von der Basis aus passiert. Stichwort: US-Drohnenangriffe. „Glauben Sie mir: Die deutsche Regierung weiß alles, was da passiert.“ Und manchmal müssten die Bürger eben einfach Vertrauen haben in die Menschen, die sie gewählt haben.

Geht es nach Herman, bräuchten sich die Deutschen künftig nicht so abhängig von den USA zu fühlen. „Es ist Zeit für Deutschland zu führen.“ Die Bundesrepublik habe eine unglaubliche Wirtschaft, ein unglaubliches Bildungs- und Sozialsystem, eine beeindruckende Demokratie. Die USA könnten schon jetzt einiges von Deutschland lernen – und von den Saarländern im Cispa, findet der Generalkonsul. Das IT-Sicherheitsunternehmen an der Universität des Saarlandes sei „weltweit führend, was Sicherheit im Netz angeht. Und das bestimmt für die nächsten zehn bis 15 Jahre“. Herman will demnächst ein Treffen mit US-Unternehmen organisieren. Dabei will der ranghohe Diplomat ihnen raten, mit dem Cispa zusammenzuarbeiten. „Das ist beeindruckend.“

Ein Deal, der sicher nach dem Geschmack des US-Präsidenten ist. Und einen Tweet wert wäre?