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Machtverlust
Warum Kushner jetzt kuschen muss

Der Berater und Schwiegersohn von US-Präsident Trump,
Jared Kushner.
Der Berater und Schwiegersohn von US-Präsident Trump, Jared Kushner. FOTO: dpa / Alex Brandon
Washington. In Trumps Universum galt er lange als eine Art graue Eminenz. Nun verliert der Schwiegersohn des US-Präsidenten seinen Zugang zu geheimen Informationen.

() Donald Trumps Schwiegersohn, Jared Kushner, verliert im Weißen Haus den „Top-Secret“-Status. Damit kommt der 37-Jährige nicht mehr an Informationen mit dem Stempel „geheim“, berichten mehrere US-Medien. Kushner, der den US-Präsidenten in einer Reihe wichtiger außenpolitischer Politikfelder berät, wird mit der Degradierung von wichtigen Informationen abgeschnitten.


Kushner hatte von Beginn an nur mit einem vorläufigen „Top-Secret“-Zugang im Weißen Haus gearbeitet. Grund dafür waren die geschäftlichen Verflechtungen des Immobilien-Imperiums seiner Familie. Der Umgang des Weißen Hauses mit diesen vorläufigen Zugängen war hinterfragt worden, als Trump-Mitarbeiter Rob Porter von zwei Ex-Frauen der häuslichen Gewalt bezichtigt wurde. Porter hatte wie Kushner nur einen vorläufigen Status. Stabschef John Kelly geriet unter Druck, das gesamte Konzept der Sicherheit zu überprüfen. Das wurde Kushner nun zum Verhängnis.

Kushner ist mit Trumps Tochter Ivanka (36) verheiratet. Der US-Präsident stattete seinen Schwiegersohn mit wichtigen Zuständigkeiten aus, unter anderem der gesamte Nahe Osten, das Verhältnis zu Mexiko und eine Modernisierung der Regierungsarbeit. Berichten zufolge werden Kushners fehlende außenpolitische Erfahrung und seine geschäftlichen Verflechtungen seit langem kritisiert. Die „Washington Post“ berichtet nun unter Berufung auf eine Quelle im Weißen Haus, dass mindestens vier Länder diskutiert haben, ob man bei Kushner im Zusammenhang mit seinen Geschäften vor seiner Arbeit für die Regierung nicht einen Hebel ansetzen könne. Ob es vonseiten Mexikos, Israels, der Vereinigten Arabischen Emirate und Chinas solche Manipulationsversuche gegeben hat, ist jedoch unklar. Für die Unterredungen Kushners mit ausländischen Regierungen interessiert auch Robert Mueller, Sondermittler in der Russland-Affäre.

Kushner und Stabschef Kelly liegen seit langem über Kreuz, Trumps Familie soll die Entlassung des Ex-Generals gefordert haben, aber Trump habe sich nicht getraut. Mit Kushner verloren Ende vergangener Woche auch Dutzende weiterer Mitarbeiter ihren vorläufigen „Top-Secret“-Zugang. Als „geheim“ gestempelt sind etwa Berichte aus US-Botschaften über Vorgänge in ihrem jeweiligen Land. „Top Secret“ sind auch die Ziele von Drohnen, Geheimdiensterkenntnisse oder abgefangene Kommunikation aus fremden Ländern.

Kushners Rolle dürfte nun entscheidend geschwächt sein. Er darf das tägliche Geheimdienstbriefing des Präsidenten nicht mehr lesen und auch nicht mehr an vertraulichen Sitzungen teilnehmen.