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Fragen und Antworten
Warum die Zeitumstellung (schon seit Jahren) so umstritten ist

Straßburg. Sommerzeit im Sommer, Normalzeit im Winter? Der Streit um diese Frage zieht sich schon seit Jahrzehnten hin. Die FDP war mit der Forderung nach Abschaffung der Zeitumstellung sogar in die (gescheiterten) Jamaika-Verhandlungen gegangen. Von Detlef Drewes

Jetzt will auch die EU ernst machen. Hier sie wichtigsten Fakten zu dem Streitthema:


Wo gilt eigentlich die Sommerzeit?

Es sind vor allem jene Länder, die in den gemäßigten Zonen der Nord- und Südhalbkugel liegen – also zwischen den Subtropen und der jeweiligen kalten Zone. Dazu gehören alle EU-Staaten. Die Balearen wollten zwar vor Jahren mal die Sommerzeit auf das ganze Jahr ausdehnen, mussten aber zurückrudern.



Wie lange brauchen wir, um uns nach der Zeitumstellung umzustellen?

Mediziner sprechen von acht Tagen. In dieser Zeit klagen demnach viele Menschen über innere Unruhe, schlechten Schlaf, über Veränderung der Herzfrequenz und Verdauungsbeschwerden. Bis zu 25 Prozent mehr Herzanfälle in der Woche nach Beginn der Sommerzeit registrierte eine Untersuchung der Krankenkasse DAK. Kinder tun sich nach Angaben von Ärzten besonders schwer, nach der Umstellung einen neuen Rhythmus zu finden.

Stimmt es, dass nach dem Start der neuen Zeit mehr Unfälle passieren?

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) spricht für dieses Zeitfenster von bis zu acht Prozent mehr Unfällen im Straßenverkehr. Auch der Auto Club Europa (ACE) hat anhand von Daten des Statistischen Bundesamtes herausgefunden, dass sich in der Woche nach der Zeitumstellung auch die schweren Verkehrsunfälle häufen.

Gibt es überhaupt einen guten Grund für die Umstellung der Zeit?

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung des Bundestages hat vor zwei Jahren gemeinsam mit externen Gutachtern mehrere Untersuchungen ausgewertet. Das Ergebnis ist ziemlich deutlich: Es fanden sich weder gesundheitliche noch ökonomische Effekte, die man positiv nennen könnte. Die Energieersparnis sei „allenfalls minimal“. Mit dieser Begründung – dem Energiesparen – wurde die Sommerzeit in Deutschland 1980 eingeführt.

Gibt es in der EU-Kommission schon eine Tendenz?

Nein, bisher nicht. In Brüssel wird nur immer wieder darauf verwiesen, dass eine gemeinsame Zeit nötig ist, weil sich sowohl die Unternehmen wie auch die Bürger schwer tun, auf einem gemeinsamen Markt mit unterschiedlichen Zeitzonen klar zu kommen.