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Zeitumstellung auf dem Prüfstand
Wann soll über Europa die Sonne aufgehen?

Wie hälst du’s mit der Sonne, EU? Der Wechsel von Sommer- auf Winter-/Normalzeit soll auf den Prüfstand.
Wie hälst du’s mit der Sonne, EU? Der Wechsel von Sommer- auf Winter-/Normalzeit soll auf den Prüfstand. FOTO: Karl-Josef Hildenbrand / dpa
Straßburg. Das EU-Parlament will die umstrittene Uhrumstellung stoppen. Erstmal bleibt es aber beim Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit. Von Detlef Drewes

Am 25. März um zwei Uhr morgens ist es wieder so weit: Europa stellt die Uhren um eine Stunde vor. Die Hoffnung auf ein schnelles Ende dieses steten Wechsels zwischen Sommer- und Winterzeit hat sich gestern zerschlagen. Das EU-Parlament in Straßburg lehnte einen Antrag auf Abschaffung der Uhrenumstellerei ab – jetzt soll erstmal eine Studie herausfinden, welche Auswirkungen das Drehen an der Zeit wirklich hat.



„Nutzloses Ritual“, „überholter Unfug“, „nicht mehr zeitgemäß“ – das Urteil der EU-Abgeordneten über die zwei Mal jährliche Umstellung der Uhren fiel deutlich aus. Doch die nötigen Konsequenzen wollte der größere Teil der Abgeordneten aus den 28 Mitgliedstaaten dann doch nicht übers Knie brechen. Mit Mehrheit lehnten die 751 Volksvertreter einen Entschließungsantrag des Verkehrsausschusses ab. Der hatte die EU-Kommission aufgefordert, schnell mit den Staaten über eine ganzjährige europäische Zeit zu verhandeln. Doch daraus wird nichts – jedenfalls nicht gleich.

Dabei waren sich alle Befürworter einer Reform einig: Weg mit der Zeitumstellung, unter der viele Menschen und Tiere leiden und die zu hohen Aufwendungen bei Bussen und Bahnen führen. Studien sehen hohe Kosten und gesundheitliche Schäden durch das ständige Umstellen. Auch zwei Drittel der Deutschen sind laut einer Umfrage gegen die Zeitumstellung. Wichtig sei nur, hieß es im EU-Parlament, dass Europa eine einheitliche Zeit behalte. „Ein Flickenteppich, bei dem in Österreich für ein paar Wochen eine andere Uhrzeit gilt als in Deutschland oder Frankreich wäre verheerend für den Binnenmarkt“, betonte die SPD-Parlamentarierin Kerstin Westphal. Sven Giegold, Wirtschaftspolitiker der grünen Europafraktion, sieht das ähnlich: „Wir brauchen eine europäische Lösung, es darf keine Alleingänge einzelner Mitgliedstaaten geben.“ So sieht es auch der saarländische SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen, der sich gestern klar für die Abschaffung der Sommerzeit aussprach.

Trotz großer Einigkeit wird die Sache wohl erstmal wieder in die Schublade gelegt. „Ich habe die zuständigen Minister der Mitgliedstaaten gefragt, ob sie die Zeitumstellung beibehalten wollen“, sagte die zuständige EU-Kommissarin Violeta Bulc vor dem Parlament. „Bisher hat nur einer geantwortet.“ Nur Polen reagierte. Dort hat sich seit vergangenen Herbst eine breite Bewegung zugunsten einer generellen Einführung der Normalzeit formiert – denn eine Winterzeit gibt es genau gekommen nicht. Und der Ball liegt in dieser Sache ohnehin bei den Regierungen. Die Europäische Kommission müsste zwar ihre Richtlinie über die Sommerzeit neu fassen. Voraussetzung wäre aber ein eindeutiges Votum der Fachminister aus den EU-Ländern. In Deutschland, das die Sommerzeit 1980 einführte, wird der künftige Wirtschaftsminister, mutmaßlich Peter Altmaier (CDU), dafür verantwortlich sein. Aber selbst wenn sich der Saarländer und seine Amtskollegen einig würden, könnte es noch bis zu zwei Jahre dauern, ehe die Uhren endlich durchlaufen.

Dabei ist die wichtigste Frage noch gar nicht beantwortet: Soll es bei der allseits beliebten Sommerzeit bleiben, die den Europäern lange Sommerabende beschert? Oder behält die Union doch lieber ihre Normalzeit bei, die bisher zwischen Ende Oktober und Ende März gilt? Polen hat sich schon auf Sommerzeit festgelegt. Finnland signalisiert Unterstützung. Insgesamt gibt es bisher eher Stimmen pro Sommerzeit. Wichtig scheint nur, dass es überhaupt zur Verständigung kommt – und zum Ende der Uhren-Korrektur.