| 20:09 Uhr

Frankreichwahl
Ein Forbacher Zahnarzt sitzt in der Nationalversammlung

20SZ-Parlamentswahl Frankreich
20SZ-Parlamentswahl Frankreich FOTO: Astrid Mueller / SZ
Forbach. () Kulissenwechsel für Christophe Arend: Ab kommender Woche wird der 41-Jährige seine Zahnarztpraxis im lothringischen Forbach gegen das prestigeträchtige Palais Bourbon in Paris tauschen. Dort hat die französische Nationalversammlung ihren Sitz, in der Arend nun den Wahlkreis an der Grenze zu Deutschland vertritt. Unter seinen Fraktionskollegen sind unter anderem auch eine Schulleiterin, ein Anwalt, eine Ärztin, ein Landwirt und der Inhaber einer Robotikfirma.

() Kulissenwechsel für Christophe Arend: Ab kommender Woche wird der 41-Jährige seine Zahnarztpraxis im lothringischen Forbach gegen das prestigeträchtige Palais Bourbon in Paris tauschen. Dort hat die französische Nationalversammlung ihren Sitz, in der Arend nun den Wahlkreis an der Grenze zu Deutschland vertritt. Unter seinen Fraktionskollegen sind unter anderem auch eine Schulleiterin, ein Anwalt, eine Ärztin, ein Landwirt und der Inhaber einer Robotikfirma.

Christophe Arend ist ein typischer Abgeordneter der Partei La République en Marche: lokal verankert – nicht nur durch seine berufliche Tätigkeit, sondern auch als Sohn eines Bergmanns, und politisch relativ unerfahren. Auch wenn er sich seit drei Jahren als Parteiloser im Gemeinderat von Petite-Rosselle (6500 Einwohner) engagiert, ist er kein Berufspolitiker. Der Bewegung „En Marche!“ von Präsident Emmanuel Macron ist er im Herbst beigetreten.

Für das Saarland ist Arend ein Glücksfall. Der Pro-Europäer will sich für eine engere Zusammenarbeit beidseits der Grenze einsetzen – vor allem im Gesundheitsbereich. Außerdem bedeutet sein Sieg am Sonntag zugleich die Niederlage von Florian Philippot, Euroskeptiker und Nummer zwei des FN. Zum zweiten Mal kandidierte Philippot bereits in diesem Wahlkreis um den Sitz in der Nationalversammlung. Mit knapp 43 Prozent verschlechtert er dieses Jahr sein Ergebnis von 2012 um drei Prozent.

Durch seine klare Niederlage gegen einen Polit-Neuling steht Philippot in den eigenen Reihen unter Beschuss. Viele im Front National halten ihn und seinen kompromisslosen Anti-Euro-Kurs für verantwortlich für das Scheitern von Parteichefin Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl. Philippot, der bereits bei der Kommunalwahl in Forbach kandidiert hatte und im Regionalrat Grand Est in Straßburg sitzt, ist das Gesicht des FN im Osten Frankreichs.

Obwohl die von einer hohen Arbeitslosigkeit und einem stockenden Strukturwandel geprägte Region als FN-Hochburg gilt, schickt die Partei keinen einzigen Abgeordneten nach Paris. Dazu könnte auch die sehr geringe Wahlbeteiligung beigetragen haben. Im Département Moselle war sie schlechter als vor fünf Jahren und lag noch unter dem nationalen Durchschnitt. Knapp 62 Prozent der Wahlberechtigten blieben am Sonntag zu Hause.

Trotz der geringen Wahlbeteiligung haben die Franzosen weiterhin auf eine Erneuerung der politischen Klasse gesetzt. Nur 148 der 577 Abgeordneten wurden wiedergewählt. Mit 29 Abgeordneten unter 30 Jahren (gegen vier in der vergangenen Legislaturperiode) hat sich die Altersstruktur in der Nationalversammlung verändert. Auch der Anteil an Frauen (38,65 Prozent) ist um rund zehn Prozent gewachsen.

(hem)