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Erster schwarzer US-Präsident
Vor zehn Jahren gab Obama Amerika Hoffnung auf „Change“

„Change“ – Wandel: Das war das Credo von Barack Obama, der vor zehn Jahren US-Präsident wurde.
„Change“ – Wandel: Das war das Credo von Barack Obama, der vor zehn Jahren US-Präsident wurde. FOTO: dpa / A2800 epa Sommers
Washington. Von Konrad Ege, epd

Es waren komplett andere Zeiten: Vor zehn Jahren, am 4. November 2008, wählten die US-Amerikaner Barack Obama zum Präsidenten. 47 Jahre jung, der erste Schwarze im Weißen Haus. Im Grant Park in Obamas Wohnort Chicago jubelten Zehntausende, als die Ergebnisse bekannt wurden. Die Menschen schwenkten Fahnen, umarmten einander, weinten vor Freude. „Yes, we can“, mit diesem Slogan verbreitete er Hoffnung und Aufbruch. „Change“ lautete das Stichwort – Wandel.


Heute, unter Donald Trump, ist vieles von Obamas politischem Erbe am Ende. Auch in der Demokratischen Partei ist sein „Heiligenschein“ verblasst, einige Partei­freunde gehen lieber auf Distanz. Doch der Ex-Präsident macht mit im Wahlkampf zu den Zwischenwahlen am Dienstag. Die Demokraten wollen Trumps Republikanern die Mehrheit im Kongress streitig machen. Dies sei die wichtigste Wahl zu seinen Lebzeiten, sagte Obama.

Als er vor zehn Jahren über den jüngst gestorbenen Republikaner John McCain siegte, waren die Erwartungen vieler Amerikaner hoch. Sie brauchten Hoffnung. Hinter ihnen lagen acht Jahre Präsidentschaft des Republikaners George W. Bush. Der Krieg im Irak wollte nicht zu Ende gehen. In den letzten Wahlkampfwochen herrschte Wirtschaftspanik. Die Investmentbank Lehman Brothers hatte im September Pleite gemacht, eine Kettenreaktion drohte. Massive staatliche Investitionen waren nötig. Die globale Finanzkrise forderte viel Opfer. Und Amerika wählte seinen ersten schwarzen Präsidenten.



Analysen sprachen von einer neuen Wählerkoalition. Für ihn gestimmt hatten junge Menschen, Afro-Amerikaner, andere Minderheiten, viele Frauen – das urbane Amerika, das „andere Amerika“. Barack und Michelle Obama verkörperten dies auf vielen Ebenen, selbst ihre Bücher- und Musiklisten wurden Kult. Nach seinem Wahlsieg würdigte Obamas Ansprache das Historische, doch der kommende Präsident stimmte die Nation auch auf schwierige Zeiten ein. Er sollte recht behalten.

In einem neuen Buch „Die Präsidentschaft von Barack Obama“ haben sich 17 Historiker um eine „erste geschichtliche Wertung“ der achtjährigen Präsidentschaft bemüht: Er hat eine historische Gesundheitsreform durchgesetzt, wirtschaftliche Anreize geschaffen, Vorschriften zum Klimaschutz vorangebracht und das Atomabkommen mit dem Iran geschlossen. Donald Trump hat sich von Anfang an daran gemacht, all dies zurückzudrehen. Als Negativum kreiden die Historiker Obama an, dass er parteipolitisch versagt und die Demokraten nicht aufgebaut habe. So habe die Partei die konservative Gegenbewegung nicht kontern können. Unter Obama verloren die Demokraten die Mehrheit im Kongress, Hunderte Landtagssitze und zahlreiche Gouverneursposten.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit, 2009, wurde Obama mit dem Friedensnobelpreis geehrt, aber am Ende waren die USA in weitere Kriege verwickelt. Gleichzeitig schuf Obama ein Klima der Integration und Versöhnung. Zum Sinnbild wurde sein „Amazing Grace“ im Gottesdienst für neun schwarze Kirchgänger in South Carolina, die ein weißer Rassist im Juni 2015 erschoss.

Ein weiteres Obama-Buch ist in den USA in diesem Sommer auf den Markt gekommen, „The World as It Is“ von seinem Berater Benjamin Rhodes. Dieser schreibt über die Wochen nach der Wahl von Donald Trump im Jahr 2016. Vielleicht, habe Obama damals in einem Gespräch sinniert, vielleicht sei er zehn oder 20 Jahre zu früh Präsident geworden. Was er meinte: Zu viele Weiße seien vielleicht nicht bereit für einen weitreichenden Wandel gewesen.