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Von echter Freundschaft bis zur Zweck-Ehe

Charles de Gaulle und Konrad Adenauer: "Der alte Franzose (72) und der uralte Deutsche (74)" gelten als Gründer-Paar der deutsch-französischen Freundschaft, auch wenn unterschiedliche Interessen sie am 22. Januar 1963 zur Unterschrift des Freundschaftsvertrages im Pariser Elysée-Palast zusammenbrachten

Charles de Gaulle und Konrad Adenauer: "Der alte Franzose (72) und der uralte Deutsche (74)" gelten als Gründer-Paar der deutsch-französischen Freundschaft, auch wenn unterschiedliche Interessen sie am 22. Januar 1963 zur Unterschrift des Freundschaftsvertrages im Pariser Elysée-Palast zusammenbrachten. De Gaulle wollte eine Allianz gegen die USA, Deutschland sich im Westen verankern. De Gaulle erklärte später enttäuscht, Verträge seien wie Rosen und junge Mädchen: "Sie halten, solange sie sich halten." Bis er sich korrigierte: Manchmal entstehe auch ein dauerhafter Rosengarten.


Georges Pompidou und Willy Brandt: Echte Vertrautheit fanden sie nicht, aber sie verstärken die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Gründung von Airbus und der Einigung auf stärkere Zusammenarbeit in der Landwirtschaftspolitik.

Valéry Giscard d'Estaing und Helmut Schmidt: Ausgerechnet der distinguierte Franzose und der kühle Hanseat gelten als das deutsch-französische Paar, das mehr als alle anderen über politische Einigungen hinaus echte persönliche Freundschaft verband. Sie regten die Bildung eines europäischen Währungssystems an.



François Mitterrand und Helmut Kohl: Die Szene, als sich der wuchtige Christdemokrat und der schmächtige Sozialist 1984 vor den Soldatengräbern von Verdun die Hand reichten, ist unvergessen. Vor allem aber fällt die deutsche Wiedervereinigung in ihre Amtszeit, sowie die Ratifizierung des Vertrags von Maastricht als wichtige Etappe für die EU.

Jacques Chirac und Gerhard Schröder: Die Beziehung galt als wenig innig und turbulent angesichts vieler Konflikte über den Ausbau der EU. Erst die gemeinsame Gegnerschaft gegen den Irak-Krieg der USA einte Chirac und Schröder.

Nicolas Sarkozy und Angela Merkel: "Merkozy" nannte die Presse das ungleiche Paar zuletzt, bevor Sarkozy abgewählt wurde. In der Euro-Schuldenkrise traten sie auf als starker deutsch-französischer Motor, doch brauchten auch die pragmatische Deutsche und der sprunghafte Franzose einige Anlaufzeit, um einigermaßen geschmeidig Kompromisse zu finden.

François Hollande und Angela Merkel: Charakterlich gelten der französische Sozialist und die deutsche Konservative als ähnlich - und doch blieben sie die ersten Monate auf Distanz, nachdem Merkel sich im Wahlkampf für Sarkozy ausgesprochen und Hollande ganz bewusst Position gegen "Merkozy" bezogen hatte. Die enge Zusammenarbeit nennen aber beide alternativlos. hol