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| 20:26 Uhr

Vom Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Das Archivbild vom 22. Januar 1963 zeigt Bundeskanzler Konrad Adenauer (links) und den französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle wahrend der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags in Paris. Foto:dpa
Das Archivbild vom 22. Januar 1963 zeigt Bundeskanzler Konrad Adenauer (links) und den französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle wahrend der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags in Paris. Foto:dpa
Saarbrücken. Da waren die französische Marianne und der deutsche Michel auf einmal baff. Dass sich der Elysée-Vertrag, mit dem Präsident Charles de Gaulle in Paris und Kanzler Konrad Adenauer das Zusammenwirken ihrer Staaten auf eine neue Grundlage stellen wollten, plötzlich zum veritablen Freundschaftsvertrag mauserte Von SZ-Redakteur Gerhard Franz

Saarbrücken. Da waren die französische Marianne und der deutsche Michel auf einmal baff. Dass sich der Elysée-Vertrag, mit dem Präsident Charles de Gaulle in Paris und Kanzler Konrad Adenauer das Zusammenwirken ihrer Staaten auf eine neue Grundlage stellen wollten, plötzlich zum veritablen Freundschaftsvertrag mauserte. Einen solchen Überraschungscoup zur Verbesserung der Beziehungen hatte kaum einer erwartet. Denn dafür hatte es im Jahrzehnt zuvor hinter den politischen Kulissen zu viele Misstöne gegeben, obwohl Frankreichs Außenminister Robert Schuman die Deutschen bei jeder Gelegenheit mit ins Boot nehmen wollte. Und obwohl es Adenauer als seine oberste Pflicht ansah, nur bloß keinem Franzosen mit deutschen Anliegen auf die Füße zu treten.

Zuerst war im August 1954 der Vertrag über eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft von der französischen Nationalversammlung abgelehnt worden, obwohl diese, auch nach französischem Verständnis, ein wesentlicher Pfeiler der künftigen Europapolitik werden sollte. Und ein Jahr später, am 23. Oktober 1955, scheiterte kläglich das europäische Statut für das Saarland. Das hatten die Franzosen anders einkalkuliert, ohne sich dafür aber wirklich ins Zeug zu legen. Auch Adenauers Aufruf an die Saarländer, sich für das Statut zu entscheiden, half da nichts. Die Mehrheit der Saarländer setzte auf die nationale Karte.

Anerkennung ernteten anschließend die Franzosen, die nach dem Scheitern des Statuts ihre Positionen im Saarland räumten, ohne groß zu klagen. Paris kehrte in Bezug auf die Saarfrage zur Realpolitik zurück und ließ sich ein Jahr später, am 27. Oktober 1956 im Vertrag von Luxemburg, die Rückgliederung des Saarlandes in den Bund mit dem Ausbau der Mosel zur Schifffahrtsstraße vergelten.

Es war eher eine Politik nach Augenmaß, ohne besondere Begeisterung, die da abgespult wurde; Raum für politische Schwärmereien gab es nicht, sie wurden auch nicht erwartet. Und dennoch kam plötzlich Schwung in die deutsch-französischen Beziehungen, nachdem 1958 General de Gaulle, der Chef der Résistance, des Widerstands gegen die Deutschen während des Krieges, zum Präsidenten gewählt worden war. De Gaulle und Adenauer, zwei völlig unterschiedlich gestrickte Persönlichkeiten, unterschrieben am 22. Januar 1963 in Paris einen Vertrag, der aus den früheren "Erbfeinden" nun formell befreundete Nationen machte.

Der Elysée-Vertrag ist kurz, sein Inhalt passt auf drei DIN-A-4-Seiten. Er fasst im Wesentlichen die Ansätze zur politischen Kooperation zusammen, auf die sich zuvor die Regierungen beider Nationen geeinigt hatten, und zwar auf den Feldern der Außen- und Verteidigungs-, der Bildungs- und der Jugendpolitik. Leseprobe aus dem ersten Teil des Vertrages über die Organisation: "In jedem der beiden Staaten wird eine interministerielle Kommission beauftragt, die Fragen der Zusammenarbeit zu verfolgen. (...) Ihre Aufgabe besteht darin, das Vorgehen der beteiligten Ministerien zu koordinieren und in regelmäßigen Abständen ihrer Regierung einen Bericht über den Stand der deutsch-französischen Zusammenarbeit zu erstatten." Nichts Revolutionäres also, sondern nur der vertraglich zugesicherte Wille, die Beziehungen zum Partner ständig voranzutreiben.

Neue Impulse, die in der Lage waren, die Diskussion über deutsch-französische Fragen in die Orte, in die Vereine, in die Familien zu tragen, gab es aber auch. Sie standen im Kapitel über Erziehungs- und Jugendfragen. Demnach sollte der Jugendaustausch mit der Begegnung von Gruppen im Nachbarland gefördert werden. Zur Finanzierung des Austauschs von Schülern, Studenten und jungen Handwerkern sollte dem Deutsch-Französischen Jugendwerk ein Gemeinschaftsfonds zur Verfügung gestellt werden. Ferner war das Ziel, deutlich mehr Schüler in der Sprache des Nachbarn zu unterrichten.

Aus französischer Sicht bekam der Elysée-Vertrag bereits seinen ersten schweren Dämpfer, bevor er in Kraft treten konnte. Denn im Frühsommer 1963 verabschiedete der Bundestag sein Gesetz zur Anerkennung des Vertrages, dem er eine Präambel voranstellte. Darin nennt das deutsche Parlament "die enge Partnerschaft zwischen Europa und den USA" ebenso als Ziel wie die "gemeinsame Verteidigung im Rahmen der Nato und die Integrierung der Streitkräfte der in diesem Bündnis zusammengeschlossenen Staaten". Schwer zu verkraften für de Gaulle, der ja gerade auf mehr Unabhängigkeit von den USA drängte. Seinen Seufzer der Enttäuschung soll er in diesen Satz gekleidet haben: "Verträge sind wie Rosen und junge Mädchen, sie haben ihre Zeit."

Die Unterschriften von Adenauer und de Gaulle unter dem Elysée-Vertrag. Foto: dpa
Die Unterschriften von Adenauer und de Gaulle unter dem Elysée-Vertrag. Foto: dpa