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Versicherte müssen mehr an Krankenkasse zahlen

Bonn/Berlin. Die Senkung des allgemeinen Krankenkassenbeitrags ab Januar dürfte für die meisten Versicherten Theorie bleiben. Experten erwarten Zusatzbeiträge der Kassen – und die sollen in den nächsten Jahren steigen. dpa/afp

Der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung wird im kommenden Jahr zwar noch weitgehend stabil bleiben, könnte danach aber deutlich steigen. Auf jeden Fall wird die von der schwarz-roten Koalition zum 1. Januar beschlossene Beitragssenkung um 0,9 Prozentpunkte für die meisten Versicherten nicht spürbar: Denn die Kassen werden die Mindereinnahmen von insgesamt rund elf Milliarden Euro gleich wieder dadurch ausgleichen, dass sie einen Zusatzbeitrag von ihren Versicherten verlangen. Zu diesem Ergebnis kam zumindest der Schätzerkreis von Bundesversicherungsamt , gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und Bundesgesundheitsministerium gestern, der Einnahmen und Ausgaben des Gesundheitssystems analysiert.

Aber damit nicht genug: Der Kieler Gesundheitsökonom Thomas Drabinski geht davon aus, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag - je nach Entwicklung bei den Reserven im Gesundheitsfonds, aus dem die Kassen ihre Mittel erhalten - bis 2018 auf mehr als 2,3 Prozent des Bruttolohns steigen könnte. Das besondere daran: Während der allgemeine Beitrag, der ab Januar bei 14,6 Prozent liegt, je zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen wird, geht der Zusatzbeitrag allein zu Lasten der Beschäftigten.

Mit Blick auf das kommende Jahr sagte eine Sprecherin von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU ), dass sich die Versicherten auf Beitragsstabilität verlassen könnten. Das zeige die Analyse der Schätzer. Wie hoch aber der individuelle Zusatzbeitrag tatsächlich ausfällt, lege jede Kasse selbst fest, hieß es. Durch die Beitragssatzsenkung und die Möglichkeit von Zusatzbeiträgen will der Gesetzgeber mehr Wettbewerb zwischen den 130 deutschen Kassen erreichen - und mehr Wirtschaftlichkeit. Wenn eine Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erhebt, haben die Versicherten künftig ein Sonderkündigungsrecht.

Die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes der Kassen, Doris Pfeiffer, erklärte gestern: "Wir gehen davon aus, dass künftig alle Kassen einen Zusatzbeitrag nehmen müssen."