| 20:55 Uhr

Brett Kavanaugh
Trumps Vorzeigerichter in Erklärungsnot

Hat er vor Jahren versucht, eine Frau zu vergewaltigen? Supreme-Court-Kandidat, Brett Kavanaugh.
Hat er vor Jahren versucht, eine Frau zu vergewaltigen? Supreme-Court-Kandidat, Brett Kavanaugh. FOTO: AP / J. Scott Applewhite
Washington. US-Präsident Donald Trump attackiert jene Frau, die seinem Anwärter für den Supreme Court versuchte Vergewaltigung vorwirft. Und die will nun vor dem US-Senat auspacken. dpa

Mit provokanten Äußerungen zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den von ihm vorgeschlagenen Supreme-Court-Anwärter Brett Kavanaugh hat US-Präsident Donald Trump einen Proteststurm ausgelöst. Unter dem Hashtag #WhyIDidntReport (Warum ich keine Anzeige erstattete) solidarisierten sich am Wochenende Zehntausende Frauen und Männer mit der Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford. Sie wirft Kavanaugh eine versuchte Vergewaltigung vor mehr als 30 Jahren vor. Trump zweifelte öffentlich Fords Glaubwürdigkeit an und warf die Frage auf, warum sie den angeblichen Vorfall damals nicht sofort gemeldet habe.


In sozialen Netzwerken beschrieben Zehntausende Frauen und Männer, warum sie eigene Missbrauchserfahrungen lange für sich behielten – etwa aus Angst, aus Scham, aus Verzweiflung, weil man ihnen nicht glauben würde. Auch Prominente meldeten sich zu Wort, darunter die Tochter des Ex-US-Präsidenten Ronald Reagan, Patti Davis. Die 65-Jährige schrieb in der „Washington Post“, sie sei vor etwa 40 Jahren vergewaltigt worden. Ein Musikmanager habe sie damals in seinem Büro missbraucht. Und danach habe sie jahrzehntelang geschwiegen. „Ich fühlte mich alleine, ich habe mich geschämt und ich war angewidert von mir selbst.“

In den kommenden Tagen soll es vor dem US-Senat, der Kavanaugh bestätigen muss, zum Showdown in dem Fall kommen. Sowohl Ford als auch Kavanaugh wollen zu den Anschuldigungen aussagen. Vermutlich wird das am Donnerstag passieren. Seit Tagen laufen hinter den Kulissen Verhandlungen über den Termin und die Umstände einer Befragung vor dem US-Senat. Ford hatte mehrere Bedingungen für eine Aussage gestellt. An diesen Details könnten die Verhandlungen womöglich noch scheitern.



Der US-Präsident hat Kavanaugh als Richter für den Supreme Court vorgeschlagen, das höchste Gericht der USA. Kurz vor der Entscheidung des US-Senats über die Personalie hatte Ford die schweren Vorwürfe gegen den umstrittenen konservativen Juristen erhoben. Sie gibt an, Kavanaugh habe versucht, sie am Rande einer Schülerparty Anfang der 1980er Jahre zu vergewaltigen. Der Richter bestreitet das vehement.

Die Debatte ist von großer Bedeutung für die anstehende Zwischenwahl zum US-Kongress Anfang November. Trumps Republikaner müssen um ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus fürchten. Trump hatte die Supreme-Court-Besetzung bei seinen Anhängern als großen Erfolg verkauft. Er kann es sich nicht leisten, massenhaft Wähler vor den Kopf zu stoßen, vor allem die weiblichen. Seine Berater hatten ihn daher zu Zurückhaltung in der Debatte gedrängt – was er nicht einhielt.

Am Freitag griff Trump Ford in mehreren Tweets an und forderte sie auf, ihre Anschuldigungen zu untermauern. Er habe keinen Zweifel, dass sich Ford oder ihre „liebevollen Eltern“ damals sofort an die Strafverfolgungsbehörden gewandt hätten – falls alles so schlimm gewesen sei, wie sie es sage, schrieb Trump. Er rufe sie auf, eine Anzeige von damals vorzulegen, damit Datum, Zeit und Ort des Angriffs klar würden. Ford hatte allerdings bereits erklärt, dass sie über viele Jahre niemandem von dem Vorfall erzählt habe, auch ihren Eltern nicht.

Mit Blick auf die Anhörung beklagte eine Sprecherin des Weißen Hauses, dass von Fords Seite immer neue Fristen und Bedingungen kämen. Kavanaugh dagegen stehe seit Tagen bereit für eine Befragung. Sie betonte, jene Personen, die nach Fords Angaben damals bei der Schülerparty gewesen seien, hätten klargestellt, dass sie nichts von dem Vorfall wüssten.