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Sprecherin fliegt aus Restaurant
Trumps Leute spüren den Gegenwind jetzt im Alltag

Trump-Sprecherin Sarah Sanders wurde wegen der US-Politik eines Restaurants
verwiesen.
Trump-Sprecherin Sarah Sanders wurde wegen der US-Politik eines Restaurants verwiesen. FOTO: dpa / Evan Vucci
Washington. Aus Protest gegen die Politik des US-Präsidenten wird dessen Sprecherin aus einem Restaurant geworfen. Nur der jüngste Vorfall einer neuen Anti-Stimmung. Von Friedemann Diederichs

Stephanie Wilkinson, die Besitzerin des Restaurants „Red Hen“ in Lexington im Bundesstaat Virgina, hat es innerhalb weniger Stunden vom Nobody-Status zu einer Ikone der amerikanischen Linken geschafft. Nachdem sie vergangenen Freitag Sarah Sanders, die Pressesprecherin des Weißen Hauses, und ihre Begleitung des Hauses verwiesen hatte, feiern sie nun tausende von Gegnern des Präsidenten Donald Trump in Online-Foren als Widerstandskämpferin.


Wilkinson, eine überzeugte Demokratin, hatte die Trump-Sprecherin zum Verlassen aufgefordert, nachdem Angestellte ihr mitgeteilt hätten, sie fühlten sich durch die Anwesenheit der Trump-Helferin „unwohl“. Sanders hatte das Restaurant ohne Protest verlassen, aber wenig später die Öffentlichkeit auf Twitter über diese neue Form des „politischen Mobbings“ informiert. Viele ihrer Anhänger schlossen sich an und richteten ihren Zorn gegen das „Red Hen“ – und fälschlicherweise auch gegen ein Haus mit ähnlichem Namen. Die Facebook-Seite des „The Olde Red Hen“ in Kanada sah sich ebenfalls Hasskommentaren ausgesetzt. „Hoffentlich gehst du pleite, du liberaler Abfall“, schrieb etwa ein Nutzer aus Maryland. Restaurant-Besitzerin Diane Smith reagierte versöhnlich: Sie wolle gerne jeden Sanders-Unterstützer einzeln darüber informieren, dass sie falsch liegen – und zudem alle zum Frühstück einladen, schrieb sie.

So unaufgeregt sahen den Fall – aus dem richtigen Restaurant – nicht alle. Geht es nach der einflussreichen demokratischen Volksvertreterin Maxine Waters, einer linksliberalen Afro-Amerikanerin aus Kalifornien, so sollte das Schicksal von Sanders zum Alltag in den USA werden. „Lasst sie in Restaurants, in Geschäften oder an Tankstellen wissen, dass sie nicht willkommen sind,“ rief sie am Wochenende bei einer Veranstaltung ihre Anhänger dazu auf, Mitglieder der Trump-Regierung zu konfrontieren. Wie Restaurant-Besitzerin Wilkinson sieht Waters die umstrittene Migrantenpolitik des Präsidenten als Rechtfertigung für ein solches Vorgehen, das immer mehr an Popularität zu gewinnen scheint.



So tauchten vorige Woche Dutzende Demonstranten vor dem Privathaus von Trumps Heimatschutz-Ministerin Kirstjen Nielsen auf, um mit Plakaten gegen die umstrittene „Null Toleranz“-Trennung von Kindern und Eltern an der Grenze zu Mexiko zu protestieren. Zuvor war Nielsen bereits in einem mexikanischen Restaurant in Washington beschimpft worden.

Auch Stephen Miller, einer der engsten Berater des US-Präsidenten und Berichten zufolge der „Architekt“ der Familientrennungs-Politik als Mittel der Abschreckung von illegalen Einwanderern, geriet bereits ins Visier der Mob-Bewegung. Er wurde kürzlich ebenfalls in einem mexikanischen Restaurant aufgespürt, wo er zum Lunch saß. Dort wurde er dem Vernehmen nach mit den Worten konfrontiert: „Seht euch diesen Faschisten an.“ Auch Miller entschied sich daraufhin, das Lokal zu verlassen.

In führenden Medien in den USA wird mittlerweile heftig debattiert, ob diese Form des öffentlichen Schmähens akzeptabel und mit der angeblichen Toleranz von Amerikas linken Wählern vereinbar ist. Ana Navarro, eine Kommentatorin des Senders CNN mit lateinamerikanischen Wurzeln, sieht das Mobbing als gerechtfertigt an: „Es kostet eben etwas, ein Komplize dieser grausamen Regierung zu sein“, sagt sie. Auch in der traditionsreichen „Washington Post“ hieß es dieser Tage, es sei „keine schlechte Sache“, wenn man jenen, die persönliche Verantwortung für ihr Handeln ablehnen, die Folgen ihrer Aktionen klarmachen würde.

David Axelrod, der frühere Chefberater von Trump-Vorgänger Barack Obama, sieht es ganz anders. Es entsetze ihn, wie viele Linke das Mobbing von Sprecherin Sanders begrüßten, twitterte er. Dies sei auch ein „Triumph“ für Donald Trumps Vision eines gespaltenen Amerika. Und diese Aktionen könnten, so analysierten Beobachter, bei den anstehenden Kongress-Zwischenwahlen im November den Trump-Anhängern einen zusätzlichen Motivationsschub geben.

Trump selbst konnte zum Fall Sanders erwartungsgemäß ebenfalls nicht schweigen. Gestern nahm er sich auf Twitter das „Red Hen“ in Lexington vor – in typischer Trump-Manier: Das Restaurant solle sich mehr darauf konzentrieren, seine schmutzigen Vordächer, Fenster und Türen zu reinigen als Sarah Sanders den Service zu verweigern, schrieb der US-Präsident. Und: „Ich hatte immer die Regel: Wenn ein Restaurant von außen dreckig ist, ist es auch innen dreckig!“

Der „Tatort“: Im „Red Hen“ in Virginia wurde Sanders vor die Tür gesetzt. Von Trumps Anhängern hagelte es Kritik, Applaus von Gegnern.
Der „Tatort“: Im „Red Hen“ in Virginia wurde Sanders vor die Tür gesetzt. Von Trumps Anhängern hagelte es Kritik, Applaus von Gegnern. FOTO: dpa / Daniel Lin