| 20:52 Uhr

USA
Trumps Affäre bricht ihr Schweigen

Pornostar Stephanie Clifford (l) sprach am Sonntag in der TV-Show „60 Minutes“ mit US-Moderator Anderson Cooper über ihre Affäre mit US-Präsident Donald Trump und deren brisantes Nachspiel.
Pornostar Stephanie Clifford (l) sprach am Sonntag in der TV-Show „60 Minutes“ mit US-Moderator Anderson Cooper über ihre Affäre mit US-Präsident Donald Trump und deren brisantes Nachspiel. FOTO: dpa / Uncredited
Washington. Weil sie einige Jahre zuvor mit dem US-Präsidenten Sex in einem Hotel hatte, soll sie bedroht worden sein: Pornodarstellerin „Stormy Daniels“ packt aus. Von Frank Herrmann

Stephanie Clifford sitzt in einem dezent möblierten Fernsehstudio und erzählt von einer Szene auf einem Parkplatz in Las Vegas. Sie wollte sich gerade auf den Weg machen, um mit ihrer Tochter einen Fitnesskurs zu besuchen, als sich ein Unbekannter ihrem Auto näherte. „Lassen Sie Trump in Ruhe. Vergessen Sie die Geschichte“, habe er ihr gedroht. Dann habe er ihre Tochter angeschaut: „So ein süßes kleines Mädchen, es wäre doch schade, wenn ihrer Mutter etwas zustoßen würde.“


Das amerikanische Publikum kennt Stephanie Clifford eher als Stormy Daniels, unter dem Namen also, den sie sich als Pornodarstellerin zulegte. Sie stammt aus Baton Rouge am Mississippi, mit 17 trat sie zum ersten Mal in einem Stripclub auf, mit 21 begann sie Pornos zu drehen. 2010 spielte sie mit dem Gedanken, sich in ihrem Heimatstaat Louisiana für einen Sitz im US-Senat zu bewerben. Vor zwei Monaten tauchte sie erneut im Rampenlicht auf, nachdem das „Wall Street Journal“ über eine Schweigevereinbarung zwischen ihr und Donald Trump berichtet hatte. Seither tourt sie durchs Land, der Titel ihrer Tournee: „Make America Horny Again“ („Macht Amerika wieder geil“).

Am Sonntagabend sucht Stephanie Clifford jedoch die renommierteste Fernsehbühne, die man zwischen Seattle und Miami haben kann. Für „60 Minutes“, den Quotenrekordhalter unter den TV-Magazinen, lässt sie sich von Anderson Cooper interviewen, einem der populärsten Moderatoren der USA.

Die Szene auf dem Parkplatz, erzählt sie, hatte damit zu tun, dass eine Zeitung ihre Geschichte über eine Affäre mit Trump drucken wollte. Fünf Jahre zuvor habe sie Sex mit ihm gehabt, in einer Suite am Lake Tahoe in der Sierra Nevada. Trump war zu einem Golfturnier angereist, kurz nachdem seine Frau Melania Sohn Barron zur Welt gebracht hatte. Er habe sie zum Dinner aufs Zimmer gebeten, wo er ihr als erstes eine Zeitschrift mit seinem Konterfei auf dem Titel zeigte. „Und ich dann: Jemand sollte diese Zeitschrift nehmen und Sie damit versohlen.“ Sie werde seinen Gesichtsausdruck nie vergessen, wahrscheinlich habe noch nie jemand so mit ihm geredet, erinnert sich Clifford und lacht. Jedenfalls habe er seine Unterhose ein Stück heruntergelassen und sich den Hintern versohlen lassen. Damals, so die heute 39-Jährige, habe er ihr eine Rolle in seiner Reality-Show „The Apprentice“ in Aussicht gestellt. „Es war ein Business-Deal“, sagt sie. Bei einer zweiten Begegnung, 2007 in Beverly Hills, habe sie abgelehnt, mit ihm ins Bett zu gehen, weil er nur vage Versprechungen wiederholte. Danach habe sie ihn nicht wiedergesehen.

2011, so Clifford, habe sie ihre Story an ein Magazin verkauft. Obwohl sie nicht gedruckt wurde, reichte offenbar schon das Manuskript aus, um jemanden zu veranlassen, sie massiv unter Druck zu setzen. Der Mann auf dem Parkplatz habe ihr solche Angst eingejagt, dass sie später nicht lange überlegte, als sie ein Angebot aus Trumps Umfeld annahm. Michael Cohen, einer der Rechtsberater des Tycoons, soll 130 000 Dollar gezahlt haben, um ihr Schweigen zu erkaufen – elf Tage vor der Wahl im Oktober 2016. „Sie können Ihnen das Leben zur Hölle machen“, soll ihr damaliger Anwalt über Trumps Leute gesagt haben. Cohen bestreitet, im Auftrag Trumps gehandelt zu haben. Cliffords Rechtsanwalt wiederum sieht seine Mandantin nicht mehr an die Vereinbarung gebunden. Trump, argumentiert er, sollte sie unterzeichnen, unter dem Pseudonym David Dennison. Jedoch fehle an der dafür vorgesehenen Stelle die Unterschrift. Cohen wiederum hat Clifford damit gedroht, sie für jeden einzelnen Fall, in dem sie ihr Schweigen bricht, auf eine Million Dollar zu verklagen. Ihre Retourkutsche spricht Bände: Spektakulärer als mit einem Auftritt bei „60 Minutes“ kann man sein Schweigen kaum brechen. Eigentlich habe sie das alles für sich behalten wollen, sagt Clifford. Doch sie wolle nicht als Lügnerin dastehen. Was sie Trump sagen würde, falls er zuschaue, fragt Cooper. „Er weiß, dass ich die Wahrheit sage.“



Das Weiße Haus dementierte die Darstellung von Clifford. Der Präsident habe die Vorwürfe immer wieder entschieden und deutlich bestritten, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Trump glaube nicht, dass die Aussagen der Darstellerin aus dem Interview richtig seien, fügte er hinzu. Es gebe nichts, was die Behauptungen von Daniels bestätige.