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Trinken bis zur Notaufnahme

Alex versucht, in der Klinik in Münchwies von seiner Sucht loszukommen. Foto: Iris Maurer
Alex versucht, in der Klinik in Münchwies von seiner Sucht loszukommen. Foto: Iris Maurer
Berlin. Wodka, Tequila und Co. bis zur Bewusstlosigkeit: Immer mehr Jugendliche trinken sich ins Koma. Der Anteil der Jugendlichen mit Alkoholexzessen ist zwar von rund einem Viertel 2007 auf etwa ein Fünftel im vergangenen Jahr gesunken. Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) ist dennoch äußerst besorgt

Berlin. Wodka, Tequila und Co. bis zur Bewusstlosigkeit: Immer mehr Jugendliche trinken sich ins Koma. Der Anteil der Jugendlichen mit Alkoholexzessen ist zwar von rund einem Viertel 2007 auf etwa ein Fünftel im vergangenen Jahr gesunken. Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) ist dennoch äußerst besorgt.



Noch nie mussten so viele Zehn- bis 20-Jährige wegen des so genannten Binge-Trinkens (englisch für Kampf-Trinken) stationär behandelt werden wie im Jahr 2007 - genau 23 165 Kinder und Jugendliche. Eine Umkehr des Trends ist nach Meinung von Fachleuten in jüngster Zeit nicht eingetreten. Das Problem liegt nicht nur bei den Jugendlichen: In Deutschland trinken fast zehn Millionen Menschen Alkohol in riskanter Form - also weit mehr als gut für sie wäre. Rund 1,3 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig. Die Tendenz beim Alkoholkonsum ist zwar leicht rückläufig. Deutschland liegt aber nach Angaben aus dem neuen Drogenbericht der Regierung im internationalen Vergleich weiter unter den Top Ten. "In der Gesellschaft herrscht eine weit verbreitete, unkritisch positive Einstellung zum Alkohol vor", heißt es im Bericht. Schärfere Kontrollen sollen her, denn neue Gesetze sind kaum durchsetzbar.

Blockade-Vorwurf

Die SPD-Politikerin wirft der Union vor, das Nationale Aktionsprogramm gegen Alkohol und gegen Rauchen aus Wahlkampfgründen zu blockieren. Dabei war die Vorschlagsliste schon geschrumpft. Die ursprünglichen Vorschläge des Nationalen Drogen- und Suchtrates nach einer Promillegrenze im Autoverkehr von 0,2 und einem Alkoholverbot an Tankstellen waren im aktuellen Entwurf bereits nicht mehr enthalten. Die Wirkung höherer Steuern bei Bier und Wein auf den Konsum sollte nur noch geprüft werden. Von einem Scheitern will Bätzing noch nicht sprechen. "Wir werden hier mit dem Koalitionspartner nochmal Gespräche führen."



Beim Kampf gegen das Rauchen fällt die Bilanz der Drogenbeauftragten weit besser aus. Bei Jungen zwischen zwölf und 17 Jahren rauchten 2008 nur noch 14,7 Prozent nach 27,2 Prozent im Jahr 2001, bei Mädchen 16,2 Prozent nach 27,9 Prozent. Das ergab eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Nach dem bundesweiten Gesetz zum Nichtraucherschutz in Bahnen, Bussen und Behörden gibt es seit Sommer vergangenen Jahres in allen Ländern Regelungen für Gaststätten. Bätzing bemängelt hierbei allerdings die Ausnahmen. dpa