| 20:40 Uhr

Seoul
Tränenreiches Wiedersehen in Korea

Die 92-jährige Südkoreanerin Lee Keum-seom trifft ihren nordkoreanischen Sohn Ri Sang Chol (71), den sie zuletzt als Kleinkind gesehen hat.
Die 92-jährige Südkoreanerin Lee Keum-seom trifft ihren nordkoreanischen Sohn Ri Sang Chol (71), den sie zuletzt als Kleinkind gesehen hat. FOTO: dpa / Lee Ji-Eun
Seoul. Während des Krieges vor fast 70 Jahren wurden sie getrennt. Nun sehen sich Verwandte aus Nord und Süd erstmals wieder.

Die Szenen sind herzzerreißend: Zum ersten Mal seit fast sieben Jahrzehnten sehen sich in Nordkorea Verwandte wieder, die im Koreakrieg voneinander getrennt worden waren. Unter ihnen waren gestern auch die 92-jährige Südkoreanerin Lee Keum-seom und ihr mittlerweile 71-jähriger Sohn, den sie zuletzt als Kleinkind gesehen hatte. Mit Freudentränen in den Augen ergriff sie dessen Hand und fragte: „Wie viele Kinder hast du?“


Insgesamt treffen im nordkoreanischen Diamanten-Gebirge in einem Ferienhotel von Montag bis Mittwoch 89 südkoreanische Senioren auf rund 180 nordkoreanische Verwandte. Die meisten sind weit über 80 Jahre alt, ausgewählt wurden sie aus 57 000 Bewerbern per Zufallslotterie. Zur Freude bleibt ihnen allerdings nicht allzu viel Zeit. Bis morgen können sie rund elf Stunden mit ihren Verwandten verbringen, bevor sie zurück in die Heimat müssen. Es sind die ersten koreanischen Familienzusammenführungen seit mehr als drei Jahren. Am Freitag soll es dann zu einer zweiten Runde kommen.

In dem riesigen Hotelsaal sitzen die Menschen an durchnummerierten Tischen, wie im koreanischen Fernsehen zu sehen ist. Dabei ist auch der Baek Seong Gyu, mit 101 Jahren der älteste Teilnehmer. Er sitzt im Rollstuhl. Für seine Enkeltochter hat er eine ganze Reihe an Geschenken in seinem Gepäck, darunter 30 Paar Schuhe und 20 Besteck-Sets: „Es ist sicher das letzte Mal, dass wir uns sehen können. Deshalb habe ich viel mitgebracht“, sagte er sichtlich gerührt.



Der südkoreanische Präsident Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatten bei ihrem innerkoreanischen Gipfeltreffen beschlossen, die ausgesetzten Familienzusammenführungen rasch wieder aufzunehmen. Die koreanische Halbinsel ist seit dem Ende des Korea-Krieges 1953 geteilt.

Südkoreas Regierung pocht seit längerem darauf, möglichst regelmäßig Treffen zwischen den getrennten Familien zu veranstalten. Das nordkoreanische Regime jedoch hat deren Zustandekommen regelmäßig an politische Vorbedingungen geknüpft und immer wieder platzen lassen.