Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 00:00 Uhr

Tod durch Feinstaub

Brüssel. Schmutzige Luft und Lärm nerven. Doch sie sind auch eine Gefahr für die Gesundheit. Jedes Jahr sterben deswegen Hunderttausende Europäer vorzeitig. Der Klimawandel dürfte das Problem noch verschärfen. Detlef Drewes

Es reicht nicht. Was immer die EU-Mitgliedstaaten in den zurückliegenden Jahren an Anstrengungen zum Klima- und Umweltschutz unternommen haben, ist zu wenig. "Die anhaltende Verschlechterung des Ökosystems bedroht weiter die Wirtschaftsleistung Europas und das Wohlbefinden seiner Bürger." Dieses Fazit geht aus dem gestern in Brüssel vorgelegten Bericht "Die Umwelt Europas: Zustand und Ausblick 2015" (SOER 2015) hervor. "Wir schädigen noch immer die natürlichen Systeme, von denen unser Wohlstand abhängt", sagte der Exekutiv-Direktor der Europäischen Umweltagentur, Hans Bruyninckx, bei der Vorstellung. Eine niederschmetternde Bilanz, obwohl die Experten gleichzeitig bestätigen: "Viele ökologische Krisen wurden mit Hilfe europäischer Maßnahmen bewältigt."

So haben sich die Erwartungen an die Ökologie als Wirtschafts- und Jobmotor offenbar durchaus bestätigt. Zwischen 2000 und 2011 wuchs die grüne Wirtschaft in den Mitgliedstaaten um 50 Prozent. Sie zählt damit zu den wenigen Branchen, die trotz der Finanzkrise ein stabiler Wachstumsmotor waren. Der Kampf gegen die Verschmutzung von Luft und Wasser sei durchaus erfolgreich verlaufen, heißt es in dem Papier. Trotzdem werde "mit hoher Wahrscheinlichkeit 2015 nicht einmal die Hälfte aller europäischen Binnengewässer einen ‚guten ökologischen Stand' erreichen."

Noch im Jahr 2011 starben EU-weit etwa 430 000 Menschen vorzeitig, weil sie in Folge der Belastungen durch Feinstaub erkrankten. In weiteren 10 000 Fällen gehen Mediziner von übermäßigem Lärm als Grund für einen frühen Tod aus. Der zunehmende Einsatz von Chemikalien führe darüber hinaus zu einer drastischen Zunahme hormonell bedingter Erkrankungen. Als Konsequenz aus dem Bericht kündigte EU-Umweltkommissar Karmenu Vella eine Verschärfung der gegenwärtigen Umweltpolitik für die Gemeinschaft an. So soll bereits in Kürze ein Maßnahmenpaket zur Kreislaufwirtschaft präsentiert werden, um den schonenden Umgang mit wertvollen Rohstoffen weiter auszubauen. Auch bei der Luftreinhaltung will Brüssel nachlegen. Zwar seien die Treibhausgas-Emissionen seit 1990 um 19 Prozent zurückgegangen, obwohl die Wirtschaft gleichzeitig um 45 Prozent gewachsen sei. Dennoch würden die bereits eingeleiteten Schritte nicht reichen, um das gesteckte Ziel zu erreichen: Bis 2050 sollen die Abgase um 80 bis 95 Prozent im Vergleich zu 1990 reduziert werden. Bruyninckx: "Bis dahin bleiben noch 35 Jahre, um dafür zu sorgen, dass wir auf einem nachhaltigen Planeten leben. Um das Ziel zu erreichen, müssen wir jetzt handeln."

Die Bundesrepublik erhält für ihre Umweltpolitik zwar durchaus positive Bewertungen. Allerdings machen die Brüsseler Experten auch hierzulande noch deutliche Probleme aus. Besonders eklatant seien dabei die Defizite im Bereich der Luftreinhaltung . So seien die Werte für Feinstaub (PM10), Stickoxide und Schwefeldioxide vor allem in den Ballungsbereichen "eindeutig zu hoch". Um die Effizienz der Abfallwirtschaft zu steigern, müssten die Hersteller noch intensiver daran arbeiten, dass der gesamte Produktionszyklus nachhaltiger werde. Die biologische Vielfalt nimmt immer weiter ab. Sowohl bei den geschützten Arten wie bei den Lebensräumen gibt es "ungünstige Prognosen".

Besondere Problemzonen sind die Meeres- und Küstenregionen. Schädigungen des Meeresgrundes, Verschmutzung, Einfall gebietsfremder Arten und Versauerung des Wassers wurden zu einer wachsenden Bedrohung.

Beim Abfall ist die Zahl der Deponien zurückgegangen. Die Recyclingquote aller Staaten zusammen liegt bei 29 Prozent - mit großen regionalen Unterschieden.

Der Umgang mit Rohstoffen hat sich leicht verbessert. 2007 verbrauchten die EU-Bürger noch 16,7 Tonnen landeseigener Ressourcen, 2012 waren es nur noch 13,7 Tonnen.

In Deutschland sind die Emissionen von Treibhausgasen zwischen 1990 und 2013 um 23,8 Prozent gesunken. Bis 2020 könnten es 33 Prozent weniger werden, wenn die bisherige Politik fortgesetzt wird.

Mit einem Anteil von zwölf Prozent erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch haben die Bundesbürger 2013 insgesamt 146 Millionen Tonnen CO{-2} eingespart.

Um die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, fordern die Experten von der Bundesrepublik deutlich mehr Anstrengungen. Die sozialen, wirtschaftlichen und natürlichen Systeme müssten noch mehr diesem Ziel angepasst werden, das "ohne weitere einschneidende Maßnahmen" nicht erreichbar sein wird.