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Zu Besuch in Münchwies
Tobias Hans ist das Dorfgespräch

Ein Jugendfoto aus Münchwies: Mit 16 Jahren hatte Tobias Hans (2. v. r.) noch deutlich längere Haare. Hier ist er 1994 beim ersten brasilianisch-deutschen Familientreffen zu sehen. Außerdem auf dem Bild sind neben Katze Blanchette v. li. Maria Bick (91), Ingrid Prade (22) und Rosel Theobald (76).
Ein Jugendfoto aus Münchwies: Mit 16 Jahren hatte Tobias Hans (2. v. r.) noch deutlich längere Haare. Hier ist er 1994 beim ersten brasilianisch-deutschen Familientreffen zu sehen. Außerdem auf dem Bild sind neben Katze Blanchette v. li. Maria Bick (91), Ingrid Prade (22) und Rosel Theobald (76). FOTO: Willi Hiegel
Neunkirchen. Ein Münchwieser soll Saar-Regierungschef werden. Die SZ hat sich in dem Ort umgesehen. Von Solveig Lenz-Engel

Münchwies, die Heimat des designierten saarländischen Ministerpräsidenten, ist zwar ein Neunkircher Stadtteil, aber alles andere als urban. Mit weniger als 1200 Einwohnern ist der Ort am Westhang des Höcherberges ein veritables Dorf. Eine Definition, mit der die Münchwieser ganz offensichtlich keine Probleme haben, prangt auf den holzgeschnitzten Eingangsschildern doch der Titel „Dorf am Himmel“.


Die durch ein Waldstück mäandernde Zufahrtsstraße ist so ­schmal, dass auf einen Mittelstreifen verzichtet wird. Fahrer etwas breiterer Gefährte tun gut daran, sich angesichts des Gegenverkehrs stramm rechts zu halten. Den Chauffeuren massiger Dienstwagen eines Landesvaters Tobias Hans wird diese Strecke eher wenig Freude bereiten. Oben angekommen im Dorf erlebt der Besucher ein Eigenheim-Idyll. Kaum eine Menschenseele bewegt sich auf den Gehwegen. Hie und da verschwinden ein Hund und Herrchen in Richtung der reichlich vorhandenen Wanderwege. Die Bäckerei Schäfer, die Metzgerei Grub und ein Döner-Lokal – die Versorgungslage ist übersichtlich. Ein Gasthaus – Fehlanzeige; das letzte Lokal namens „Zur Kohlwiese“ schloss schon vor einigen Jahren.

„Das macht aber nichts“, sagt Tobias Hans, den die SZ beim Brennholz-Abladen von einem Traktoranhänger trifft. Nein, der Noch-CDU-Fraktionschef im Landtag hat sich keinen Entspannungstag genommen, sondern im Dorf arbeitet sein 36-jähriger Namensdoppelgänger. „Dank der Parteien, der Vereine und von Feuerwehr und DRK gibt es genug Möglichkeiten, sich zu treffen“, meint Hans und wird in dieser Einschätzung unterstützt von seinem Freund Christopher, der – wen wundert’s – auch Hans mit Nachnamen heißt. „Hans gibt es bei uns ganz oft“, sagen die beiden, die mit dem Landespolitiker Tobias Hans (40) nicht verwandt sind. „Saugudd“ sei der Aufstieg des Münchwiesers für den Ort. Die Einschätzung teilt Josef Brill (82). Damit rücke der Ort jetzt in den Fokus.

Auf einen positiven Hans-Effekt setzt auch Heidemarie Grub. In der vierten Generation führt Familie Grub die örtliche Metzgerei. „Die jüngeren Leute kommen nur noch zum Schlafen hierher, und die Älteren ziehen sich zurück“, erlebt sie die drohende Verödung der Dörfer auch als Münchwieser Problem. Peter Hans, der Vater von Tobias, habe trotz seines landespolitischen Engagements mehr im und für den Ort gemacht als sein Sohn. „Der lässt sich mit seiner Frau Tanja zwar immer mal blicken, ist aber eher Gast als Mitmacher“, meint Grub.

Gegenüber in der Bäckerei wirkt Petra Schäfer. Bei ihr saßen am Morgen die Leute zusammen. Das Thema: Natürlich Tobias Hans, der Politik-Profi und bekennende Pferdefreund, der seine Frau Tanja bei einem Wanderritt kennengelernt hat. Man hat seine Karriere verfolgt. „Für Landrat hat’s nicht gereicht, und jetzt wird er wohl ohne Wahl Regierungschef“, erinnert einer, der nicht genannt werden will, an die Niederlage von Tobias Hans Ende 2015 bei der Landratswahl im Kreis Neunkirchen gegen Sören Meng von der SPD. Der Fraktionsvorsitz in Saarbrücken war dann der neue Job für den als sehr ehrgeizig geltenden Tobias Hans. Dass er auch sehr diszipliniert ist, bewies er vor einigen Jahren, als in recht kurzer Zeit aus dem eher gemütlich wirkenden stattlichen 105-Kilo-Mann dank des Verlustes von 36 Pfund ein drahtig-schlanker Typ wurde.



„Politisches und Privates sind oft nicht zu trennen, allein schon, weil viele meiner Freunde auch Partei­freunde sind. Neben der Politik muss es aber noch genug Freiräume geben, um für Amt und Alltag Kraft zu sammeln. Zu einem schönen Sonntag gehört die gemeinsame Zeit mit meiner Frau und auch mit unseren Tieren. Gegen einen entspannenden Lauf ist auf jeden Fall aber auch nichts einzuwenden.“ Das sagte Tobias Hans im Vorfeld der Landratswahl. Für sein neues Amt wird er als Regierungs-Neuling diese Kraft und langen Atem brauchen.