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Vom Kopf- und Händeschütteln

Washington. Transatlantischer Gipfel der Denkwürdigkeiten: Beim Treffen Trumps mit Angela Merkel spielten Äußerlichkeiten eine große Rolle. Friedemann Diederichs

Zweimal haben sich Donald Trump und Angela Merkel am Freitag tatsächlich die Hände geschüttelt: Bei der Begrüßung nach der Vorfahrt der Kanzlerin am Eingang des Weißen Hauses. Und dann nach jener Pressekonferenz, die so denkwürdig verlief. Doch für Aufregung sorgte jener Moment im "Oval Office", wo es eben nicht zum Händedruck kam, obwohl der Gast aus Deutschland den Präsidenten doch dazu verbal ermunterte. Trump saß das Ganze stoisch blickend aus. War das mangelnder Respekt gegenüber Merkel? Eher wohl nicht, siehe den vorausgegangenen Eingangs-Handkontakt. Trump war es offensichtlich nur leid, den Aufforderungen der bei ihm so verhassten Medienvertreter folgen zu müssen, die ihm und der Kanzlerin "handshake, handshake" zuriefen. Doch der Republikaner ist eben niemand, der sich etwas vorschreiben lässt.



Dieser Augenblick war nur einer der kuriosen Momente beim transatlantischen Gipfel der Denkwürdigkeiten. Ein Treffen, bei dem der Mimik und den Gesten der beiden Hauptdarsteller fast mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde als den am Ende eher mageren politischen Ergebnissen.

Lange wird die Ungläubigkeit im Gesicht Merkels in Erinnerung bleiben, die sich gerade noch ein Kopfschütteln zu verkneifen schien, als Trump erneut seine These von der bisher durch nichts belegten Bespitzelung durch Barack Obama auftischte. Und der dabei eine gemeinsame Vergangenheit mit Merkel andeutete, weil deren Handy ja bekanntlich in der Ära Obama von der NSA abgehört worden war. Es war der Moment, in dem für viele Betrachter der Unterschied zwischen einem ungefiltert redenden populistischen Selbstdarsteller und einer souveränen, in sich selbst ruhenden Politikerin schmerzhaft sichtbar wurde.

Die Berichterstatter spielten eine wesentliche Rolle dabei, dass die Bundeskanzlerin im direkten Vergleich der beiden Politiker so deutlich bessere Noten erhielt. Zur Selbst-Demaskierung Trumps trugen auch die zugespitzten Fragen der beiden deutschen Pressevertreter im "East Room" bei, während die vom Weißen Haus ausgewählten einheimischen Korrespondenten dem Präsidenten unkritisch begegneten. "Warum macht Ihnen eigentlich Pressevielfalt so große Angst, dass sie so oft von ,Fake News' sprechen und dann selbst Dinge behaupten, die dann nicht belegt werden können wie die Äußerung, Obama habe sie abhören lassen?", lautete die Frage von Reporterin Kristina Dunz. Da Trump Medienvertretern das Fragerecht zu geben pflegt, die ihm wohlgesonnen sind, wäre ein solch direktes Bohren durch US-Kollegen in Sachen Abhören undenkbar. Und wie es schmerzte, zeigte die Replik des Präsidenten, der die Frage von Dunz als "Fake News" deklarierte und ihr damit auswich.

Kein Wunder, dass nach dem Termin auch der Vergleich zwischen oft handzahm auftretenden US-Journalisten und den an diesem Tag schonungslosen deutschen Fragestellern gezogen wurde, die eigentlich nur das praktizierten, was ihr Job verlangt. "Gute Arbeit der deutschen Presse. Ernsthaft", lautete beispielsweise ein Twitter-Eintrag von CNN-Analyst David Drucker vom "Washington Examiner", der - anders als CNN-Konkurrent Fox News - Trump weiter kritisch in seinen Beiträgen hinterfragt. CNN-Mitarbeiter gelten im Trump-Lager als reine "Fake News"-Produzenten - und erhalten meist kein Fragerecht.