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USA und China streiten trotz Annäherung weiter

Peking. Der erste Besuch des US-Außenministers in Peking verlief freundlich. Doch der Konflikt um den Umgang mit Nordkorea bleibt. Jörn Petring

Mehr als zwei Monate hatte US-Präsident Donald Trump auf Twitter schon nicht mehr gegen China gewettert, doch kurz vor dem Wochenende war es mit der Zurückhaltung vorbei: Nordkorea verhalte sich "sehr böse" und treibe seit Jahren mit den USA Spielchen. China habe "wenig unternommen, um zu helfen", schrieb Trump kurz vor dem ersten Besuch seines Außenminister Rex Tillerson in Peking.



Tillerson selbst gab sich in Chinas Hauptstadt gemäßigter. Man wolle gemeinsam nach Lösungen suchen, um die Bedrohung durch Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm auszuschalten, betonte er gestern bei einem Empfang bei Staats- und Parteichef Xi Jinping und bereits am Samstag an der Seite von Amtskollege Wang Yi. Auch der nannte die Gespräche "ehrlich und konstruktiv". Doch war das wirklich mehr als nur diplomatische Freundlichkeit?

Kurz vor ihrem Treffen hatten beide Außenminister noch deutlich gemacht, wie sehr die USA und China in der Nordkorea-Frage tatsächlich über Kreuz liegen. Tillerson, der auf seiner Ostasienreise zuvor Stopps in Japan und Südkorea gemacht hatte, erklärte die Versuche in den vergangenen 20 Jahren, Nordkorea zum Einlenken zu bewegen, für gescheitert.

Aus Sicht Washingtons muss ein neuer Ansatz her, weil Pjöngjang sonst bald über eine Interkontinentalrakete verfüge, die einen Atomsprengkopf bis in die USA tragen könnte. Einen Tag vor der Ankunft in Peking erklärte Tillerson in Südkorea, dass die "Politik der strategischen Geduld" ein Ende habe. Alle Optionen einschließlich der militärischen seien auf dem Tisch.

Aber was bedeutet das? Ein Präventivschlag gegen Nordkorea? Mit Peking ist das nicht zu machen. Genau wie die USA will auch China keine Atomwaffen in den Händen von Machthaber Kim Jong Un, fürchtet aber eine Eskalation genauso wie einen Kollaps des Regimes durch noch härtere Sanktionen oder gar ein militärisches Eingreifen. Die Folge wären Flüchtlingsströme und möglicherweise eine Wiedervereinigung beider Koreas, bei der US-Truppen an die Grenze Chinas vorrücken.



Doch die von China gebetsmühlenartig geforderte Aufnahme neuer Gespräche mit Nordkorea funktioniert nicht. Nordkorea lehnt sie schlicht ab, solange die Verhandlungen die Abschaffung seiner Atomwaffen zum Ziel hätten. Genau das fordern aber die USA. Washington lehnt auch einen Vorschlag Pekings ab, wonach Nordkorea seine Atom- und Raketenaktivitäten vielleicht aussetzten könnte, wenn Seoul und Washington im Gegenzug auf gemeinsame Militärmanöver vor der Haustür von Kim Jong Un verzichteten.

Noch vertrackter wird die Lage durch das neue Raketenabwehrsystem, das die USA derzeit in Südkorea gegen den Norden stationieren. Der Streit darüber dürfte eine schnelle Einigung im Umgang mit Nordkorea noch unwahrscheinlicher machen.

Solange sich die anderen streiten, freut das zumindest einen: Machthaber Kim Jong Un. Während Tillerson in Peking mit Staats- und Parteichef Xi Jinping zusammentraf, feierte Nordkoreas Propaganda den erfolgreichen Test eines neuen Raketenantriebs. Der große Führer habe das Spektakel persönlich verfolgt.