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| 20:58 Uhr

Terror-Attacke auf Polizei verunsichert Belgien

Brüssel. Nur vier Monate nach den Anschlägen in Brüssel hat ein Einzeltäter im 50 Kilometer entfernten Charleroi zwei Polizistinnen schwer verletzt. Der Mann hielt sich offenbar illegal im Land auf. Die Ermittler gehen von einem Terrorakt aus. Mirjam Moll

In seinem letzten Eintrag auf Twitter hatte der belgische Premier Charles Michel gerade erst das Attentat auf einen Priester in der Nähe des französischen Rouen verurteilt. Nun ist der Terror einmal mehr in sein eigenes Land zurückgekehrt. "Das scheint ein neuerlicher Anschlag mit terroristischem Zusammenhang zu sein", sagte der Regierungschef bereits am Samstagabend im belgischen Fernsehen.

Zuvor hatte die Schreckensnachricht Wellen geschlagen: Zwei Polizistinnen waren in unmittelbarer Nähe zu ihrer Polizeidienststelle in Charleroi, einem 200 000-Einwohner-Städchen circa 50 Kilometer von Brüssel entfernt, von einem Mann mit einer Machete angegriffen worden. Eine der beiden Beamtinnen erlitt dabei "schwere Verletzungen" im Gesicht, "das von mehreren kräftigen Machetenhieben" getroffen wurde, erklärte Polizeisprecher David Quinaux. Die Frau wurde ins örtliche Notre-Dame-Krankenhaus gebracht und dort behandelt. Auch ihre Kollegin blieb von dem Angriff nicht verschont. Beide seien wegen ihrer Operationen in ein künstliches Koma versetzt worden, berichten belgische Medien gestern. Der Angreifer selbst wurde von einem dritten Beamten niedergeschossen. Zunächst hieß es, der Mann sei am Leben. Er erlag jedoch am Samstagabend den Folgen seiner Schusswunde. Ob der Angreifer vorhatte, in die Polizeidienststelle einzudringen, ist nicht bekannt. Dort zeigt man sich schwer getroffen von dem Anschlag auf die erfahrenen Beamtinnen, die beide mehr als 15 Jahre Erfahrung in ihrem Beruf hatten: "Wir sind 905 Polizisten hier und wie eine große Familie. Wenn wir angegriffen werden, sind wir alle davon berührt", erklärte Sprecher Quinaux. Via Twitter hatte die Polizei am Samstag mitgeteilt, dass der Angreifer kurz vor seiner Attacke "Allahu Akbar" - Gott ist groß - gerufen habe. Später wurde bekannt, dass der Mann offenbar aus Algerien stammte und sich illegal in Belgien aufgehalten haben soll. Bei der Tat trug er nach Angaben der Polizei weder Papiere noch ein Mobiltelefon bei sich. Die Staatsanwaltschaft begann noch am Samstag mit ihren Ermittlungen. Gestern nahm die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) den Machetenangriff für sich in Anspruch. Der Angreifer sei einer ihrer "Soldaten" gewesen, teilte die Terrormiliz über das IS-Sprachrohr Amak mit. Premier Michel unterbrach seinen Urlaub und berief gestern eine neuerliche Krisensitzung ein, um sich zu beraten. Die Polizeigewerkschaft VSOA hatte zuvor bereits dazu aufgerufen, das Bedrohungsniveau auch für die Dienststellen von Stufe 2 auf Stufe 3, nach der ein Anschlag als "möglich und wahrscheinlich" gilt, zu erhöhen. Sie gilt in Belgien seit den Anschlägen im März auf den Flughafen Zaventem und die Metrostation Maelbeek in Brüssel . Dabei starben 32 Menschen, 340 wurden verletzt.

Nach den Attentaten in Paris auf die Satireredaktion Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt waren die Sicherheitsvorkehrungen in Belgien, speziell in Brüssel , verschärft worden. Als es im November in der französischen Hauptstadt erneut zu mehreren Anschlägen kam, war der Benelux-Staat ebenfalls in erhöhter Alarmbereitschaft. Zeitweise war das Land wegen der höchsten Terroralarmstufe 4 für fast eine Woche praktisch lahmgelegt. Gleichzeitig senkte das belgische Krisenzentrum die Alarmstufe für Polizeieinheiten und -dienststellen auf das Niveau zwei. "Das war für die Belegschaft untragbar", sagte Vincent Gilles, Sprecher der Polizei-Gewerkschaft SLFP, gestern. "Es wird Zeit, auf unsere Forderungen für spezielle Sicherheitsmaßnahmen für die Polizei einzugehen", forderte auch die freie Gewerkschaft VSOA.

Meinung:

Motivation ist Hass

Von SZ-Korrespondentin Mirjam Moll

Auch der Anschlag auf die beiden belgischen Polizistinnen in Charleroi scheint offenbar islamistisch motiviert gewesen zu sein. Umso wichtiger ist es, sich in Erinnerung zu rufen, dass Menschen wie dieser Attentäter die Religion für ihre Zwecke missbrauchen. Die eigentliche Motivation dahinter aber hat mit Religion nichts zu tun. Es ist purer Hass. Natürlich müssen Mittel und Wege gefunden werden, um sich radikalisierende junge Männer und Frauen möglichst früh aus dem Verkehr zu ziehen. Aber der aktuelle Fall weist auf ein anderes Problem hin, das bereits im Laufe der Ermittlungen nach den letzten Brüsseler Attentaten deutlich wurde: Die belgischen Behörden müssen gründlicher arbeiten und sich besser mit den anderen EU- und Nachbarländern austauschen.