| 20:11 Uhr

Grüne Spitzenpolitiker lehnen Weichenstellung für Schwarz-Grün ab

Berlin/Stuttgart. Ein gutes Jahr vor der nächsten Bundestagswahl wird verstärkt über Chancen für eine schwarz-grüne Koalition spekuliert. Auslöser ist ein Bericht über ein vertrauliches Treffen der Bundeskanzlerin mit dem grünen Stuttgarter Regierungschef Kretschmann. Agentur

Die Grünen-Fraktionsspitze leitet aus einem Treffen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU ) keine Weichenstellung für eine künftige schwarz-grüne Koalition ab. CDU und Grüne müssten künftig jedoch besser darauf vorbereitet sein, nach einer Bundestagswahl miteinander zu reden, als noch 2013, sagte Bundestags-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt am Samstag beim "Tag der offenen Tür" der Bundespressekonferenz.



Klar sei für die Grünen, dass man sich Optionen offen halten wolle. "Dass wir nicht mehr in Bundestagswahlen gehen nach dem Motto: Wir legen mal vorher eine Koalition fest. Das haben wir ein paar Mal versucht, und damit sind wir als Grüne ein paarmal vor die Wand gefahren, und zwar immer vor dieselbe."

Schwarz-Grün sei "kein neues Projekt, aber eine Möglichkeit", sagte Göring-Eckardt. Die Grünen wollten einen eigenständigen Wahlkampf führen, möglichst gut abschneiden und dann sehen, mit wem sie ihre Inhalte am besten durchsetzen können, sagte Co-Fraktionschef Anton Hofreiter der "Berliner Zeitung": "Es wäre ein großer Fehler, sich als Grüne auf Schwarz-Grün festzulegen."

Der "Spiegel" hatte zuvor von einem vertraulichen Abendessen Merkels mit dem baden-württembergischen Regierungschef vor acht Tagen in Berlin berichtet. Kretschmann ist klarer Befürworter eines schwarz-grünen Bündnisses nach der Bundestagswahl 2017, auch die CDU-Chefin gilt als aufgeschlossen dafür.

Das Stuttgarter Staatsministerium war am Freitag nicht konkret auf den Bericht eingegangen, erklärte aber, dass Merkel und Kretschmann von Zeit zu Zeit miteinander über bundespolitische Themen sprächen. Die CDU äußerte sich nicht.



Kretschmann (68) hatte im März mit den Grünen die Landtagswahl in Baden-Württemberg gewonnen und regiert seither in einer Koalition mit der CDU . Seit Bundespräsident Joachim Gauck erklärt hat, nicht für eine weitere Amtszeit zu kandidieren, wird er als potenzieller Nachfolger gehandelt. Er selbst schweigt dazu.

Der Ministerpräsident warb im "Spiegel" erneut für ein Bündnis mit der Union: Schwarz-Grün passe in eine Zeit, die geprägt sei von Unsicherheit und Krisen.