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Studie: Junge Europäer glauben nicht an Gott

Berlin. Sie zweifelt an Politik, Medien und Religion: Europas junge Generation steckt voller Misstrauen – und blickt dennoch gelassen in die Zukunft. dpa/epd

Es sind alarmierende Ergebnisse: Die meisten jungen Menschen in Europa haben kein Vertrauen in Institutionen oder Politik. Auch die Medien kommen nicht gut weg, wie die gestern vorgestellte Jugendstudie "Generation What?" des Sinus-Instituts ergab. Demnach stehen im Schnitt nur zwei Prozent der 18- bis 34-Jährigen völlig hinter den Medien in ihrem Land. Dagegen haben 39 Prozent gar kein Vertrauen, 41 Prozent sind skeptisch. Weil die Glaubwürdigkeit der Medien für einen demokratischen Staat "essenziell" sei, gäben die niedrigen Vertrauenswerte Anlass zur Sorge, erklärten die Forscher.

Kirche und Religion spielen im Leben der jungen Europäer kaum noch eine Rolle. 85 Prozent der Befragten erklärten, dass sie ohne Glauben an Gott glücklich sein können. Und in keinem der beteiligten Länder vertrauen mehr als drei Prozent der jungen Leute den religiösen Institutionen voll. In Deutschland fällt das Misstrauen mit 47 Prozent noch am geringsten aus. Auch der Anteil derer, die sich ohne Glauben glücklich fühlen, liegt hier mit 79 Prozent unter dem Schnitt.

Lediglich 23 Prozent der jungen Deutschen misstrauen der Politik völlig - das ist der niedrigste Wert im Europa-Vergleich. Der Durchschnitt über alle Länder beträgt 45 Prozent. In Frankreich und in Italien haben knapp zwei Drittel der Befragten überhaupt kein Vertrauen in die Politik. Getoppt wird das nur von den jungen Griechen: In dem stark verschuldeten Land liegt der Wert bei 67 Prozent.

Misstrauen und Politikverdrossenheit drücken allerdings kaum auf die Stimmung der "Generation What?". Die Mehrheit blickt vielmehr vorsichtig gelassen in die Zukunft: 55 Prozent zeigen sich optimistisch, 43 Prozent pessimistisch. Die jungen Leute seien mit Situationen wie dem 11. September 2001, der Finanzkrise und der Flüchtlingswelle aufgewachsen, erklärten die Forscher. Dabei hätten sie gelernt, mit Ungewissheiten pragmatisch umzugehen.