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Stadt der Trauer

Haltern. In der Trauer um die Absturzopfer ist Haltern am See nicht allein: Der Bundespräsident ist gemeinsam mit NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nach Westfalen gekommen, um Mitschülern und Angehörigen der Toten sein Mitgefühl auszudrücken. Florentine Dame,Carsten Linnhoff (dpa)

Als der Bundespräsident vor die Kirche tritt, bläst ein kalter Wind über Halterns Kirchplatz. Gerade hat er mit Schülern, Lehrern und Angehörigen in einem Gottesdienst der 18 Absturzopfer des einzigen Gymnasiums der Stadt gedacht. Er hat den Angehörigen der 16 toten Zehntklässler und ihrer beiden Lehrerinnen seine Anteilnahme überbracht. Leise spricht er aus, was sich nach der Katastrophe in der ganzen Stadt spüren lässt: "Wenn wir alle zueinander stehen, entsteht so etwas wie ein Band des Mitleidens und des Mittrauerns."

In ihrer Trauer steht die westfälische Stadt mit 37 000 Einwohnern zusammen. Das Ortsschild trägt Trauerflor, die Fahnen wehen auf halbmast. In den Schaufenstern der Innenstadt haben Einzelhändler Kerzen angezündet, sie wünschen ihren Mitbürgern Stärke und Kraft, diese schwere Zeit zu überstehen.

Ein eindrucksvolles Band der Trauer bilden auch die Schüler, die vom Joseph-König-Gymnasium zu Hunderten in die Kirche ziehen. Ein schweigender Zug junger Menschen, dicht gedrängt, viele gehen Hand in Hand. Es sind so viele, dass es wirkt, als ob die große Backsteinkirche sie kaum alle fassen kann.

Vor dem Kirchenportal steht auch Bürgermeister Bodo Klimpel, bleich ist er, und erschöpft sieht er aus. Seit Dienstag, seit dem Tag der Tragödie, kommen seine Stadt und er nicht zur Ruhe. Die täglich neuen Nachrichten über den Ablauf der Katastrophe haben den Schmerz der Stadt nicht gelindert. Journalisten reisten an, aber auch Politiker und Geistliche, die ihr Mitgefühl zum Ausdruck bringen.

Zum Gedenkgottesdienst an diesem Freitag sind auch Bundespräsident Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt gekommen. Hinter ihnen schließt sich die Tür für Kameras und Journalisten. Teilnehmer werden später von einer emotionalen Gedenkfeier sprechen: Die Namen der Toten werden verlesen, Schüler legen weiße Rosen nieder und zünden Kerzen an. Der örtliche Pfarrer spricht, Münsters Bischof Felix Genn und auch Gauck richten Worte an die Trauernden, der Präsident wechselt nach dem Gottesdienst noch in der Kirche persönliche Worte mit den Eltern der Verunglückten, er reicht ihnen die Hand, umarmt manche.

Nach einer Stunde läuten erneut die Glocken, die Schüler verlassen die Kirche genauso geschlossen, wie sie gekommen sind. Daniela Schadt hat noch immer Tränen in den Augen, als sie sich verabschiedet, auch die Sicherheitsleute des Präsidenten kämpfen mit den Tränen. Gauck umarmt Hannelore Kraft , auch den Bürgermeister. "In solchen Notsituationen spürt man, dass wir in einer Gesellschaft von Menschen leben und nicht nur von funktionierenden Wesen", sagt er den Journalisten, bevor er in seine Limousine steigt.