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Studie
Soziale Kluft in Deutschland so groß wie zuletzt 1913

Sebastian Kurz dürfte schon bald österreichischer Bundeskanzler werden.
Sebastian Kurz dürfte schon bald österreichischer Bundeskanzler werden. FOTO: dpa / Ronald Zak
Paris. Die soziale Kluft ist in Deutschland so groß wie vor rund 100 Jahren: Das ist das Ergebnis einer gestern veröffentlichten Studie europäischer Ökonomen. Danach verfügten die oberen zehn Prozent in der Bundesrepublik zuletzt über rund 40 Prozent des Nationaleinkommens. Die untere Hälfte der Bevölkerung kam dagegen zusammen nur auf 17 Prozent – ähnlich wie 1913, am Vorabend des Ersten Weltkriegs.

Die soziale Kluft ist in Deutschland so groß wie vor rund 100 Jahren: Das ist das Ergebnis einer gestern veröffentlichten Studie europäischer Ökonomen. Danach verfügten die oberen zehn Prozent in der Bundesrepublik zuletzt über rund 40 Prozent des Nationaleinkommens. Die untere Hälfte der Bevölkerung kam dagegen zusammen nur auf 17 Prozent – ähnlich wie 1913, am Vorabend des Ersten Weltkriegs.


Laut dem ersten „World In­equality Report“ (Welt-Ungleichheits-Bericht) geht die soziale Schere in Deutschland seit der Mitte der 1990er Jahre auseinander. Während die untere Bevölkerungshälfte 1995, also fünf Jahre nach der Wiedervereinigung, noch über gut 25 Prozent des Nationaleinkommens verfügte, waren es im Jahre 2013 acht Prozentpunkte weniger. Die oberen zehn Prozent konnten ihr Vermögen im gleichen Zeitraum dagegen merklich steigern.

Auch im weltweiten Vergleich steigt die Ungleichheit danach. Dies gelte für „fast alle Regionen der Welt“, schreibt die Forschergruppe um Lucas Cancel von der Paris School of Economics und Thomas Piketty, Autor des Bestsellers „Das Kapital im 21. Jahrhundert“. Besonders in den USA, aber auch in China und Russland, geht die Einkommensverteilung demnach auseinander.



In den Vereinigten Staaten verfügen die wohlhabendsten zehn Prozent der Bevölkerung laut der Untersuchung derzeit über rund 47 Prozent des Nationaleinkommens, in Russland sind es 46 Prozent und in China 41 Prozent. Zwischen 1980 und 2016 stieg der Anteil in all diesen Ländern deutlich. Zum Vergleich: Im EU-Schnitt sind es aktuell 37 Prozent.

Es handelt sich um den ersten Bericht, der eine so große Datenfülle auswertet. Die Forscher schränken allerdings ein, dass sich die statistischen Erhebungsmethoden und auch die territorialen Gegebenheiten im Laufe der Zeit verändert haben. Auch lagen für die verschiedenen Länder unterschiedlich aktuelle Erhebungen zugrunde; für Deutschland bezogen sich die Aussagen auf Zahlen von 2013.