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Pressestimmen
Soll die Fußball-Liga für Polizeischutz zahlen?

Saarbrücken. Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Bremen, das es dem Staat erlaubt, Kosten für die Sicherung von Hochrisiko-Fußballspielen durch seine Polizei den Profi-Vereinen in Rechnung zu stellen, wird in der Presse kontrovers diskutiert.

Die „Freie Presse“(Chemnitz) begrüßt das Urteil:


Während bei einer Demonstration Grundrechte wie Meinungsfreiheit gesichert werden, geht es beim Fußball vor allem um ein Milliardengeschäft. Die Einnahmen der
DFL sind besonders durch TV-Rechte in den letzten Jahren exorbitant gestiegen. Kaum einer versteht mehr, warum die Vereine den vergleichsweise geringen Sicherheitsbeitrag nicht zahlen. Was kostet ein Spieler im Schnitt pro Monat? Mit einem Bruchteil der Gehälter könnte die Rechnung der Polizei locker beglichen werden.

 



Der „Weser-Kurier“ (Bremen) glaubt an eine Signalwirkung des Urteils:

Man darf gespannt sein, wie das Urteil aus Bremen im übrigen Lande aufgenommen wird. Bislang blieben die Innenminister-Kollegen (des Bremer Innensenators  Ulrich
Mäurer) in dieser Auseinandersetzung ja eher in der Deckung, Boris
Pistorius aus Niedersachsen mal ausgenommen. Doch sprudeln in Bremens Kassen tatsächlich die
DFL-Gebühren, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis andere Bundesländer nachziehen und die Fußball Liga ebenfalls zur Kasse bitten werden. Auch wenn sonst der enge Schulterschluss mit König Fußball gesucht wird – dieser Einnahmequelle wird keiner widerstehen können.

 

Die „Nürnberger Nachrichten“ widersprechen den Richtern:

Natürlich: Der Fußball ist ein Milliardengeschäft, aber auch ein starker Steuerzahler, rund 1,2 Milliarden Euro überweisen die 36 Profivereine jährlich an den Staat – ein Vielfaches dessen, was die Polizeieinsätze kosten. Es wäre auch zu billig, den Fußball anders zu behandeln als den Dorfbürgermeister, wenn es auf der Kirchweih zu Tumulten kommt. Die Idee, dass es nicht die Falschen trifft, wäre juristisch kein Argument – ab da würde die Debatte rein populistisch. Kosten für Polizeieinsätze auf Organisationen abzuwälzen, die im weitesten Sinne als Auslöser ausgemacht werden, würde in ein unendlich weites Feld führen. Wo zieht man Grenzen, wie?

 

Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat einen Kompromiss-Vorschlag:

Mit einigem Recht darf von einer Branche, die Milliarden erwirtschaftet, eine Verantwortung für ihre sehr unangenehmen Nebenwirkungen verlangt werden. Man muss als Gegenargument nicht das Einzelschicksal klammer Vereine anführen. Eine vom Verband geleistete Sicherheitspauschale für alle, abgedeckt im Rahmen teurer TV-Verträge, wäre eine denkbare Lösung.